Montag, 10. September 2007

Nur 10% Kakao, aber viel Chili

Kanye West ist schon ein ziemlicher Musikguru. Immer als Genie gepriesen, konnte er sich in den USA auf Grund seiner Qualitäten und Selbstverliebtheit schnell durchsetzen. In Europa war der Zugang nicht so schnell hergestellt, was wohl daran liegt, dass die Meisten die Texte nicht verstehen. Seine Alben folgten auch oft einem Thema. So fand sich zum Beispiel bei Late Registration Filmmusik in großem Stil.

Die Songs sind durchgehend Popkompatibel, aber nie richtig Pop. Das soll bedeuten, dass er auf eine edle Produktion setzt, gefüllt mit coolen Samples und Beats, welche schnell einen Zugang für den Hörer bilden. Dabei sind sie aber immer etwas künstlerischer, etwas anspruchsvoller konstruiert, als z.B. bei 50 Cent. Mit seiner stark charakteristischen Stimme bestärkt er diesen Eindruck zusätzlich.

Ich weiss nicht ob er schon Kleidung designt, verkauft oder vermarktet, aber zu einer Stilikone ist er trotzdem geworden. Herr West mag wohl grelle Farben und ist nicht peinlich dabei. Weiterhin betätigt er sich auch intensiv auf dem Feld der Produktion anderer Musiker. Common erstarkt zu neuem Ruhm, durch die Kanyeiesierung seines aktuellen Albums "Finding Forever".

Also sehr aktiv, sehr erfolgreich, sehr talentiert, sehr ambitioniert und ja auch sehr gut. Late Registration war einfach voller Abwechslung und geprägt durch Chartsongs wie "Gold Digger" oder ernsteres wie "Diamonds From Sierra Leone". Ebenso bemerkenswert ist die Bandbreite bei "The College Dropout". Vom stampfenden "Jesus Walks" gehts zum, mit R'nB Chrous versehenen, "All Falls Down".

Diese Platten sind genau den Hip Hop den ich haben will. Unkonventionell, poppig, künstlerisch, facettenreich und immer klar produziert und es gelingt mir sogar, worum es beim Hip Hop ja eigentlich geht, die Texte zu verstehen.

Jetzt gibts was Neues vom Rapmogul. "Graduation", so ist es tituliert. Ich glaube es vermag mich aber nicht vollends zu überzeugen. Kanye West feiert sich selbst schon fast zu viel. Langsam nervt es. Ok, abfällige Kommentare zu schlechten Musikerkollegen sind erlaubt. Jede Woche füttert er die Presse mit solchen. Sein Album hätte er vielleicht Prada oder D&G nennen sollen. Zuviel, "ich bin geil", "ich habe den Flow", "ich lasse die Puppen tanzen". Zu wenig Weitsicht.

Die Art wie er sich in Szene setzt ist aber unbestritten wiedermal beeindruckend. Bestes Beispiel ist das Daft Punk-artige Stronger, was komplettiert durch das Video, äußerst wirksam ist. Es bewegt sich zwischen cool und progressiv. Angesichts dessen kann ich dem Herrn eigentlich fast keinen Vorwurf zum Album machen.

Es hat nicht soviel Kakao wie Late Registration, aber dieses Chili, das machts so...na ihr wisst schon.

7,5 Punkte von 10 Punkten. Kanye West hat schon soviel Lorbeeren geerntet, dass muss ja mal aufhören. Gebt sie lieber mir.

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