Samstag, 1. September 2007

Discountjazz?

Brasilien ist ja für vieles bekannt. Strand, Frauen, Cocktails, Rio, Favelas und natürlich Fußball.
Musik gibt es aber auch und sie ist wichtig bei einem so immens vielseitigen Land. Sie vermag es den lässigen Charakter perfekt widerzuspiegeln und die scheinbare Unbekümmertheit der Menschen zu reflektieren. (Auch wenn diese Unbekümmertheit wohl zu 99,9 % medial erzeugt ist, bedenkt man Kriminalität und Armut)

Bossa Nova ist wohl diese besagte brasilianische Musik. Entstanden in den 50iger Jahren fand Bossa schnell seinen Weg in die Gesellschaft. Er wurde zu einem akzeptierten und begehrten Kulturgut, was sich auch im Laufe der Jahre in den USA zu etablieren vermochte.

Er basiert auf Jazzharmonik und bedient sich entspannter und dennoch tanzbarer Melodik. Jedoch scheint Bossa nie richtig ernst genommen worden zu sein. Vielleicht weil er sich oft ähnelt und für fortgeschrittene Musiker leicht zu spielen ist. Macht ihn das zu Billigjazz oder Discountjazz? Also schnell mal im Club gespielt und Geld kassiert.

Nein, ich denke nicht. Den Bossa hat Gefühl und das gilt es zu entdecken und zu kultivieren. Bossa ist wie Blues. Man braucht nicht viel Technik oder theoretisches Musikverständnis um ihn zu spielen, aber man braucht eine Passion dafür. Man braucht einen direkten Zugang. Man muss einfach gesagt eine enorme Leidenschaft dafür entwickeln. Ohne die ist Blues wertlos und genauso der Bossa.

Schnell mal Bossa spielen geht nicht. Es gilt die richtige Stimmung zu finden, nicht den intellektuellen Wert. Ein Kaffee am Strand, der Blick aufs mehr, die Sonne oder die andächtige Stimmung der Altstadt Rios, dass braucht man um Bossa zu hören und nicht bei Regen im trüben Münster.

Der Luxus des unbeschwerten Genießens ist es was Bossa so authentisch macht.

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