Ja, ich habe gesündigt. Ich habe es tatsächlich gewagt Deutschland sucht den Superstar zu schauen. Einer der wahrlich langweiligsten Samstagabende, die ich je verbracht habe.Grundsätzlich hat das Wort "Dsds", bzw. das damit verbundene Spektakel, einen wirklich pejorativen Charakter erhalten. Talentierte Sänger zu suchen und sie zu einem Popstar zu formen, dass ist ein fingiertes Konzept. Um es exakt zu formulieren, darum ging es auch nie. Die angepriesenen Mottoshows sind dröge Veranstaltungen ohne Witz und Charme, fern jeglicher Inspiration und Abwechslung. Das Augenmerk liegt auf den vorrangegangenen Castings. Konservative Medienwächter protestieren vehement, während das gemeine Volk sich an dilettantischen Gesangesdarbietungen ergötzt und delektiert.
Den manchmal brutalen, zurweilen auch verachtenden Sprüchen Dieter Bohlens frönen die Zuschauer und honorieren mäßige Interpretation der immerselben Songs mit überschwänglicher Zustimmung. Der Wunsch nach kurzweiligem Ruhm und schnellem Geld ist bei den Kandidaten scheinbar oft zwingender als die Gabe der gesunden Selbstreflexion.
Ich bin grundsätzlich der Überzeugung, dass jeder selber die Verantwortung trägt wenn er oder sie sich entschließt an den Castings zu partizipieren. Es lässt sich sicherlich eine kontroverse Diskussionsrunde initiieren, welche sich dem Thema der fehlenden Mündigkeit junger Menschen widmet und sich über den tiefen Schlund der kapitalistischen Ausbeutung auslässt, aber es handelt sich immerhin um die fünfte Staffel. Die Kenntnis über den zu erwartenden Misserfolg muss einfach vorrausgesetzt werden können.
Warum jedoch schafft es "Dsds" nicht einen guten Künstler zu formen. Mark Medlock ist nur mit Erfolg gesegnet, weil Dieter Bohlen nicht von seiner Seite weicht oder andersrum. Seine Songs sind von äußerst geringer Qualität. Alexander Klaws jodelt inzwischen beim Musical, Elli (wenn man ihren Namen so schreibt) war ein Totalflop, Tobias Regner konnte schon nach der ersten Single seine Sachen packen und was jetzt aus Thomas Godoj wird weiss auch keiner. Musik ist aber bestimmt "sein Leben" und da er so ein richtiger Musiker ist, wird er auch immer Musik machen.
American Idol zeigt das es auch anders geht. Wir Europäer monieren nur allzuoft bezüglich des amerikanischen Selbstverständnisses, welches aus unserer Sicht von außerordentlicher Überheblichkeit, Naivität und unermesslichem Konsum geprägt ist. American Idol ist überraschenderweise um Klassen besser als sein deutsches Pendant. Da muss man sich doch auf Grund der vorangegangenen Auflistung fragen wie das denn überhaupt sein kann.
Die Antwort gestaltet sich eher schlicht. Das Konzept der Show in den USA ist anders fokussiert. Es glänzt an der ein oder anderen Stelle auch mit völlig irritierenden Äußerungen der Jury (s. Paula Abdul) bemüht sich aber gleichzeitig eine musikalische Qualität zu wahren. Es geht nicht so sehr um die Schaffung und Erzeugung beschämender Momente sondern um die Suche nach einer Person die sowohl optisch und sängerisch gelehrig ist und willig sich der Musikindustrie auszuliefern.
Das dabei Marionetten der Plattenfirmen gezeugt werden ist in den meisten Fällen anzunehmen. Doch auch in dieser Hinsicht belehrt uns American Idol eines Besseren. Chris Daughtry hat seine Chance genutzt und sich sowohl interaktiv am Entstehungsprozess seines Debüts beteiligt, als auch die Vorteile des Sprungbretts "Casting Show" genutzt. Das Ergebnis ist ein zuweilen etwas flaches, zu poppiges Album, das dennoch Höhepunkte hat und Respekt verdient. Im Übrigen mag ich es.
Rtl wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit hüten die Konzeption seiner Show zu ändern. Das ist schade, denn so bleiben uns wohl mögliche Talente verborgen. Heute schrecken die Deutschen Plattenbosse nichtmal mehr vor einem Engagement ausländischer Produzenten zurück, was zur Folge haben könnte, das wirklich gute Musik geschaffen wird.
Ich würde mir einfach wünschen, dass das deutsche Fernsehen mit neuen Idee aufwartet und zwar solchen die sich der Musik widmen. "Dsds" muss man nicht abschaffen. Vielmehr wäre es wünschenswert Musikshows einen Sendeplatz zu bieten, die in welcher Form auch immer Musik besprechen, vorstellen oder auch analysieren. Es wird überall philosophiert, gekocht und sich ausgezogen, da muss es doch möglich sein Musik zu präsentieren. Das wäre sehr nett liebe Intendanten!