
9 Uhr am Abend. Müdigkeit, Hunger und nur ein paar trockene Scheiben Brot. Trostlos
schrumpeln sie in der Küche vor sich hin. Pizza ist keine mehr im
Gefrierschrank und den Salatblättern im Kühlschrank fehlt auch optischer Elan. Mit einem guten Toaster lässt sich mein
bedauernswertes Befinden an einem solchen Tag jedoch problemlos beheben.
Hat man altes, fast ungenießbares Brot, dann kann der Geschmack zumindest gesteigert werden. Brötchen wird wieder ein duftendes Aroma verliehen und auch frischen Backwaren vermag dieses Elektrogerät noch zu mehr Gaumenfreude
gereichen. Gaumenfreude ist eines meiner Laster,
habe es aber gut im Griff. Hörfreude ein Weiteres. Gäbe es doch einen Toaster für Musik!
Greatest Hits sind manchmal ein solcher Toaster. Da finden sich die essenziell besten Werke eines Künstlers kombiniert auf einer CD. Überflüssig sagt Ihr jetzt. Recht habt Ihr! Nicht ganz! In Zeiten der multimedialen
Tötungsmaschine "Internet" kann man entweder illegal Musik tauschen oder sich bei
iTunes seine Titel besorgen. Beides lässt den Schluss zu, dass mühelos eine solche Zusammenstellung selber in Angriff genommen werden kann. Einziger Vorteil einer
Greatest Hits sind folgerichtig die obligatorischen neuen Songs (meistens nur zwei) und Neuauflagen der Klassiker. Leblos und schlecht ist das erzielte Ergebnis aber häufig.
Das Symbol des
Toasters fungiert nunmehr als eine Art
Proömium für diesen Text. Der vorrangestellte Abschnitt ist in seinem Inhalt als eher unbedeutend einzustufen, darf aber als belustigend empfunden werden. Also weiter im Text. Produzent ist das Stichwort!
Der Begriff Produzent ist ungewöhnlich weit gefasst. Radikal formuliert nimmt er bei jeder Albumaufnahme eine völlig andere, differenzierte Aufgabe ein. Vom zusätzlichen Bandmitglied, zum Songschreiber, "Feature Artist",
Soundfetischist...ist Alles erdenkliche möglich. Die Produktion einer Platte entscheidet ebenso über Erfolg oder Niederlage bei den Verkaufszahlen, wie die Qualitäten der sich präsentierenden Band.
Allzu oft habe ich mich schon über talentierte Musiker
geärgert, die mich mit einer quälend abstoßenden Produktion konsternieren lassen. Für diesen Fall wünsche ich mir dann eine
Wundermaschine, einen Toaster oder eine Neuaufnahme.
Nehmen wir P.O.D. als exemplarisches Beispiel. Bekannt geworden durch
Kracher wie "
Youth of the Nation" oder "
Alive", änderte sich der
Sound der Band spürbar nachdem ihr Gitarrist ausgestiegen und ersetzt wurde. Rockiger, etwas weniger
Nu-
Metal orientiert kehrten sie zurück. Beim direkten Nachfolger zu "
Satellite" war das auch nicht schlecht. Nicht mehr so intensiv im Ton, aber so kann man wenigstens nicht von Stagnation reden. Bei "
Testify" fand dann leider
zu viel Reggea oder generelle Langeweile
Einzug. Die
Greatest Hits die sich darauf anboten, waren schon besser. Mit leicht bearbeiteten Versionen von z.B. "
Alive" und "
Southtown" fegte mir wieder ein ordentlicher Rockwirbelsturm um die Ohren. Das völlig neue "
Going in Blind" überzeugte durch ein
Nickelback ähnliches Powerballaden Arrangement, bei gleichzeitiger Besinnung auf die guten
Nu-
Metal Roots. "
Roots in Stereo" ist übrigens ziemlich
bahhh. Es scheint jedoch, als hätten die Plattenbosse "
School of hard Knocks" vergessen. Eine Nummer mit Potential. Wirkte wie
Southtown zuweilen etwas vulgär, etwas unausgeglichen. Toasten bitte! Jetzt!
P.O.D hat dieser Toaster also gänzlich geholfen. Nun ist
Marcos Curiel auch noch zurück. Da kehrt bestimmt der "Boom" wieder. Nächstes Jahr Kinder
wirds was geben. Ich will nicht enttäuscht werden!
Jemand der mich ganz und gar nicht enttäuscht ist
Scott McKeon. Ein
Review seines ersten Albums habe ich vor einiger Zeit schonmal angefertigt. Ich muss nun aber ein weiteres Mal betonen, wie sehr ich seine Produktion schätze.
Das Problem mit Bluesgitarristen ist nicht ihr Können, das Gefühl oder die Popularität. Es ist die Produktion. Die Plastikgitarren ohne ersichtliches Konzept, welche aus den Lautsprechern dröhnen, treiben mich des Öfteren in den Wahnsinn. Höre ich jedoch die
Strat von
McKeon, tiefer gestimmt, so satt, so dreckig, so poliert, so
fuzzig, so ehrlich, so traditionell und doch modern, feiere ich ekstatische
Zuckungsfeste. Diese Aufreihung von Attributen ist genauso paradox wie der Gedanke an ein druckvolles Bluesalbum. Ein Segen! Da fällt fast jeder ab, auch
Joe Bonamassa mit seinem Klassiker Blues
Deluxe. Momentan kann da nur
Buddy Guy mitreden. Denn was da
produktionstechnisch bei "Bring '
em in" geleistet wurde ist genauso verwunderlich und spektakulär gut. Bald
gibts die Kritik dazu. (10 Punkte sind vorprogrammiert!)
Die Grundideen des Blues so progressiv aufzugreifen und zu kredenzen ist schon ein kleines Wunder. Das gilt für beide Protagonisten.
Was noch?
Black Stone Cherry vielleicht. Deftiger Bierrock mit Südstaatenflair. Nein kein Kinder
Country, wo die
Zerealien gerade erst in die Milch gefallen sind. Sondern fette
Riffs, dreckige
Shouts und viel
Mitgröhlmentalität. Serviert in einer Hülle aus
staubtrockener Produktion und atmosphärischem
Songwriting. Oh ja, was die Produktion schon so zu bewirken vermag.
Bei
Commons "
Finding Forver" kratzt Produzent "Mr.
West" gerade so am erträglichen Level. Schmal ist der Grad zum Pop, knapp dran vorbei, fast überproduziert. Ich
mags.
Hip Hop sollte roh sein oder schillernd bunt. Ich höre
Kanye oder
Company Flow.
Yeah!
Was zum
Verreißen gitbs natürlich auch als Nachschlag. Habt ihr die letzten J.
Lopez Scheiben gehört? Ich nicht, aber diese spanischen
Singleauskopplungen waren so dermaßen abstoßend. Mein Gott! Der
Lopezische Selbstfindungs-Kapitalismus zerstört die Musikwelt!
Das wars dann auch!