Samstag, 26. Januar 2008

Weiter so!

Über Scott McKeon habe ich in einem meiner ersten Artikel, vielleicht sogar dem Ersten, berichtet.

Sein Debütalbum fegt immer noch durch meine Lautsprecher und bei myspace kann man sich immer mal wieder einen neuen Song anhören. Sehr gut!

Bei "I Can Tell" und "I Don't Want It Back" ist er seinem Ton und Stil treu geblieben, gab sich aber eher dezenter und minimalistisch. Es folgte ein durch Robert Johnson inspiriertes Akustikwerk (was leider momentan nicht mehr verfügbar ist) und jetzt ein Groovehammer namens "What I've Become"!

Unglaublich wie er so roh und dreckig seine Gitarre malträtiert und das Schlagzeug so laut in Szene setzt. Bam! Yippie. Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie ein totgesagtes Genre zurückkehren kann und wenn es auch nur ein oder zwei Interpreten sind, die es repräsentieren.

Keiner macht momentan besseren Blues!

Übrigens: Arte, 22.45, Jamsession mit Manu Katché

Und nun?

Das Weihnachtgeschäft war wieder schlecht. Katastrophale Verkaufszahlen bei den CDs und Besserung ist nicht in Sicht.

Um der schwierigen Lage Herr zu werden entlassen die Plattenfirmen jetzt Mitarbeiter. Das ruft dann die großen "Künstler" der Labels auf den Plan, die mit dem Zurückhalten ihrer Alben Protest bekunden. Man könnte auch sagen, "es geht Alles den Bach runter".

Das die Plattenfirmen aussterben kann als bewiesen angesehen werden! So lautet die gängige These. Fraglich ist jedoch was sie ersetzen wird. Eine Garde aus youtube Talenten, die von Marketingagenturen gefördert und Produzenten hochgezüchtet wird? Vielleicht liegt die Zukunft auch in den Händen der Homestudio-Musiker! Denkbar ist auch eine komplette Umstrukturisierung, bzw. Neuorientierung der Labels. Die Flut von Artikeln, die dieser Tage hochgeladen wird, beschäftigt sich mit dieser Thematik. Die Darstellung der Tatsachen steht hierbei im Vordergrund, ein konstruktiver Zukunftausblick bleibt auf der Strecke.

Es werden vergleichbare Aspekte angesprochen wie sie in meiner Aufzählung zu finden sind, eine interessante Lösung oder einen kreativen Vorschlag gibt es bedauerlicherweise aber nicht. Das Ganze weckt Assoziationen zur Autoindustrie. Da schwingen die Politiker reden über Klimaschutz und auf den Automessen werden irgendwelche "Ecofuel" Autos präsentiert. Jeder baut ein Auto, das entweder Hybrid hat, mit Wasserstoff fahren kann oder ein anderes Gas in die Brennräume sprüht. Zukunft hat von diesen Prinzipien wohl Keines. Hybrid ist nur gut um eventuell die Erwärmung für ein paar Jahre zu verschieben und belastet dabei die Umwelt mit den äußerst "umweltfreundlichen" Akkus. Um Wasserstoff zu produzieren müssen wir erst Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen und Gas ist sowieso Blödsinn. "Was nun?", folgt jetzt auf ein "Warum?" und einfach ist die Antwort bei weitem nicht.

Plattenfirmen sind noch keine besonders alte Erfindung und dennoch haben sie ein Talent wichtige Trends zu verschlafen, was womöglich zu ihrer geringen Beliebtheit beiträgt. Nehmen wir das Beispiel "youtube". Als die ersten Musikvideos auf dieser Plattform auftauchten intervenierten sofort Anwälte der Labels und sorgten dafür, dass regelmäßig Videos entfernt wurden. Verständlich ist es schon, denn zwischen Sendern wie Mtv und den Plattenfirmen fließt auch Geld und daher kann es bei kostenloser Veröffentlichung zu Interessenskonflikten kommen. Der Aspekt der kostenlosen Werbung, der immensen Verbreitung und der weltweiten Verfügbarkeit überwiegt aber. Es dauerte in der Folge aber eine Ewigkeit bis die Unternehmen verstanden, dass sie das Phänomen der Streamvideos nicht beenden, sondern sich zu nutze machen mussten bzw. müssen. Im Übrigen frage ich mich wo man Musikvideos sehen kann, wenn nicht im Internet?! Bei allen Musiksendern laufen maximal 30 verschiedene Videos am Tag. Aussuchen kann man sie sich auch nicht, außer man "votet" vielleicht.

Ein noch viel gravierendes Beispiel ist wohl Itunes. Viel mehr kann man gar nicht falsch machen. Steve Jobs war und ist durchaus an einer guten Beziehung mit den Plattenlabels interessiert. Doch seine Vorschläge werden meist zurückgewiesen und so dominiert jetzt Apple das Ganze Internetmusikgeschäft. Die Einnahmen müssen schon jetzt beeindruckend hoch sein und wir stehen bei diesem Prinzip des Musikkaufs auch noch am Anfang. Diese Monopolstellung zu brechen wird für die Labels sehr schwierig. Da hat jemand ganz gehörig gepennt!

Störend finde auch den Aspekt, dass sich darauf beschränkt wird jegliche Downloads zu verbieten und unter Strafe zu stellen. Stattdessen sollten die Anstrengungen lieber auf attraktivere Vertriebswege etc. gelenkt werden. Denn die Zahl der illegalen Downloads wird vielleicht in Deutschland zurückgehen, aber auch die Lust etwas zu kaufen. Ich persönlich kann mit Cds nichts mehr anfangen. Die kommen direkt in den Rechner, somit auf die Festplatte und auf den tragbaren Mp3Player. Hüllen und Booklets verstauben im Regal. Eine Suchanfrage bei google.de bringt mir mehr Ertrag als der Text des Booklets.

Die Welt wird unbestrittenerweise zunehmend technologisiert und die Menschen werden in Indien und China oder auch Südamerika und Afrika in Zukunft mehr Computer besitzen und Musik runterladen. Dort wird man "illegale" Downloads nicht einfach verbieten können, bzw. zu einer Verurteilung der Straftäter würde es wahrscheinlich kaum kommen.

Wo sind denn Flatrateangebote, wann kann ich endlich billig Serien und Filme laden? Schneller! Die Siebziger sind vorbei! Aufwachen! Jetzt! Sonst ist der Zug bald wirklich für die Plattenlabels abgefahren und eigentlich wollen wir sie auch lieb haben, aber dafür müssen sie erst etwas für uns tun! Eure Chance!

Ich bin im übrigen der Ansicht, dass Plattenfirmen nicht einfach aussterben, so wie Viele glauben. Die Konkurrenz für sie wird größer, weil nicht jeder Musiker auf sie angewiesen sein wird. Ihre Macht müssen sie dadurch erhalten, dass sie die Trends, die wöchentlich entstehen, aufgreifen und zu ihren Gunsten nutzen! Das kann doch wirklich nicht so schwer sein.

Sonntag, 13. Januar 2008

Out of key

Alicia Keys ist Vollblutmusikerin. Sie beherrscht das Spielen eines Instrumentes, besitzt energetische Bühnenpräsenz und betätigt sich als kreative Songwriterin. Ihre aktuelle Single ist jedoch abscheulich.

Entspricht es nicht meiner Philosphie jedes Werk was mich nicht anspricht ins Bodenlose zu verreißen, so muss ich an dieser Stelle eine Ausnahme machen. Die Vorabsingle "No One" ist geradezu unerträglich.

Der monotone, künstlich anmutende und überproduziert laute Beat des Stücks versaut von Beginn an die Substanz. Das einsetzende Klavier wird als obligatorisches Mittel der Melodiesierung genutzt und der Gesang lässt mich flehend in die Knie sinken. Wo sind meine Ohrstöpsel?

Alicia Keys singt sich wie immer den Frust von der Seele, aber diesmal muss wohl der Untergang der Welt kurz bevorstehen. Ihre Stimme vermittelt eine Mischung aus Mandelentzündung, Heulen und Schreien. Dies führt zunächst zu Irritation und dann zu Aggression.

Meine Ohren vernehmen ein Gejaule der besonderen Extraklasse. Ihr melismatisches Gejodel bringt mein Trommelfell an die Schmerzgrenze und der dauerhafte Eindruck, dass sie falsche Töne singt, sorgt auch nicht für Wohlbefinden. Ich kann nicht verstehen wie man das veröffentlichen kann. Da gefiel mir sogar Rihannas Gekrächze bei "Unfaihtful" besser.

So das wars schon!

Empfehlung des Tages: Gang Starr-Royalty, passt perfekt zur Mischung aus wärmender Sonne und Kälte des Winters.

Sonntag, 6. Januar 2008

Aristoteles hätte Mozart gemocht!

"Denn wenn jemand blindlings Farben aufträgt, und seien sie noch so schön, dann vermag er nicht ebenso zu gefallen, wie wenn er eine klare Umrisszeichnung herstellt." (aus Aristoteles, Poetik, übersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann)

Geradezu proletarisch. So spricht der elitäre Tonkünstler. Abwertend ist die Tendenz seiner Aussage, mit dem Hang zu Überschätzung, gepaart mit völligem Unverständnis für andere Musikrichtungen. Desillusioniert wandern manche durchs Leben. Behaftet mit den stärksten, durchzogen von übelsten, geprägt durch die absurdesten Vorurteile. Sie richten sich gegen Musik welche ihnen fremd, unzugänglich oder einfach unsympathisch ist. Freisprechen sollte sich von dieser Charaktereigenschaft keiner. Erinnern würde es lediglich an selbstbezogenen Chauvinismus.

Doch muss grenzenloser Narzissmus hinsichtlich der präferierten Musik denn sein? Wie kann man sich nur durch eine Beschränkung definieren oder inspirieren. Die Inspiration gelingt doch immer durch die Vielfalt, nicht Einfalt. Sicherlich sind Mozarts Werke in ihrer harmonischen Beschaffenheit von außerordentlicher Konzentration und fast poesie-ähnlicher Schönheit. Sicherlich hat Schönberg mit den 12 Tönen jongliert wie ein grandioser Artist. Sicherlich repetiert Popmusik oft in der 2-5-1 Verbindung. Sicherlich ist Hip Hop durchsetzt mit Vulgarismen und nicht Latinismen. Sicherlich ist die Musik, die aus 10101010101 geschaffen wurde, oft genauso banal. Fatal ist es aber sicherlich auch den alten Zeiten nachzutrauern.

Wenn Frauen mit Nachdruck manifestieren, dass Musikstile wie Techno und Metal niemals den Weg in ihr Cd-Regal finden, ist es für mich nachvollziehbar. Auch die Dauerberieselung mit Klängen wie "Summer of 69" jeden Abend in Kneipen und Diskos führt zu kaum einer Regung meines Gemüts. (Da bedarf es schon einiger LaFee oder Jimi Blue Interpretationen.) Was mir unverständlich bleibt ist der Tunnelblick einiger Klassikfans und ihre Verachtung gegenüber dem modernen Popstar. Mozart war kein Stück besser.

Einmalig ist er zweifelsohne. Er trieb die Musik weiter. Weg von barocken 8teln und 16teln. Vom ätzenden Wunderkindmenuett bis zur "Königin der Nacht". Die reinste Form eines Wunders, eines Talents, ein geradezu magischer Moment in der Geschichte. Mein persönliche Meinung divergiert zu dieser Aussage, bezüglich dieses Artikels will ich aber weitesgehend Objektivität walten lassen.

Das Mozart ein, wie zuvor geäußert Wunderkind war, lässt sich nicht bestreiten. Verdient sein Lebenswerk aber die Aufmerksamkeit, die es genießt? Das Angebot an Musik zur damaligen Zeit war wohl eher dürftig. Die Fülle an Musiktiteln, welche der iTunes Store heutzutage offeriert ist immens. Die Vielzahl an Genres überwältigend. Der Ruhm kurzweilig. Kein Wunder das vieles nicht mehr als Glanzpunkt der Geschichte gesehen wird. Es hat schon an Bedeutung verloren, bevor es überhaupt gehört wurde.

Die Wiener wollen immer etwas Neues, wenn man das nicht liefert, haben sie den Künstler/Musiker nach 2 Wochen vergessen. ( Diese Aussage stammt, wenn ich mich recht entsinne, aus einem Brief Mozarts an seinen Vater. Sie ist von mir im Wortlaut abgeändert, da ich das Original nicht vorliegen habe.) Die klare Ähnlichkeit vom damaligen Popstar-Dasein ist also nahezu äquivalent zu unser heutigen Auffassung und dem damit verbundenen Umgang.

Es ist so wie Aristoteles es schreibt. Seiner Betrachtungsweise nach wäre Mozart der geniale Zeichner und Künstler, der sein Handwerk bis ins letzte technische Detail beherrscht. Jennifer Lopez wohl eher die, die durch "Farben" fasziniert. Deren Musik leichter zu rezipieren ist oder anders formuliert, mehr unserem Zeitgeist entspricht.

Der Anspruch und die Vorraussetzungen haben sich verschoben, aber die Mischung aus abgöttischer Verehrung und gnadenlosem Absturz eines Musikers sind geblieben. Kritiker werden an dieser Stelle einhaken und behaupten, dass dem heutigen Popstar eine wichtige Eigenschaft fehlt. Musikalisches Verständnis oder überhaupt musikalische und kreative Arbeit. Komplett abstreiten kann ich diesen Umstand nicht, mich dieser These anschließen ebenso wenig.

Die schiere Anzahl von gequirltem Mist lässt uns manchmal vergessen, dass die Produzenten der Stars, künstlerisch gebildete Multiinstrumentalisten sind. Die Stars selber müssen Singen, Tanzen, gut aussehen, enorm belastbar sein und vieles mehr. Der Gedanke ein Popstar zu sein macht mir zurweilen Angst. Die Vorstellung ein Leben ohne Privatsphäre zu führen, der Wunsch von Fans nach Unfehlbarkeit, der Druck. Fürchterlich. Das sollte man nicht unterschätzen.

Resümieren lässt sich also, dass Mozart ein Popstar war, dass er verdammt viel Talent hatte, dass die Grundzüge des Popstartums gleich geblieben sind und das das "Neue Jahr" wie immer eher dürftig begonnen hat.