Sonntag, 9. Dezember 2007

Die schwedische Breitseite

Volltreffer! Wiedermal zeigen uns die Skandinavier wo es langgeht. Rap gepaart mit Elektro, House ... von Adam Tensta.

Für Politiker und boulevard-interessierte Menschen hält Schweden immer etwas bereit. Ob Pisa oder Königshaus-Geschichten, ewige Dunkelheit oder ewige Weite, hohe Alkoholsteuern oder gefüllte Staatskassen. Dennoch, Alles unwichtig. Wir wollen Musik.

Viking Metal, Hardcore und vergleichbare Genres sind uns aus diesen Regionen schon vertraut . Nicht zu vergessen Chartstürmer wie HIM (Finnland), Gitarrengesabber von José González oder alternativer Pop von Robyn. Ob die Schweden den Blues haben wage ich zu bezweifeln. Elektro können sie wiederrum. Bleibt noch Hip Hop?!

Schon vor einem Jahr habe ich einen nordischen Rapper gehört. Dumm nur, dass ich seinen Namen vergessen habe. Ist jetzt nicht mehr schlimm, habe nämlich einen prima Ersatz. Adam Tensta sieht nicht schwedisch aus, rappt nicht so und macht eine Menge Spaß. Die Bloggerszene hat starken Gefallen an seiner Mischung aus elektronischen, house-ähnlichen Beats und lässigen Reimen gefunden. Da kann ich mich nur anschließen.

"My Cool" könnte man Retroallüren nachsagen, "They Wanna Know" einen "Dope Ass Beat" nennen, I'M Sayin' mit R'nB vergleichen und man läge nie falsch. Das Album beginnt mit zwei düsteren, midtempo Nummer, die keinen Zweifel an einem Hip Hop Werk lassen. Durch "My Cool" hält dann Disco Einzug. Ein angenehmes Maß an Vertrautheit stellt sich bei "Dopeboy" und "Walk With Me" ein. Bum! Fertig. Gut.

Textlich macht das Ganze auch was her. Eine Mischung aus, warum ist mir das nicht eingefallen, wenig Gangster-Bla-Bla und leichter Ironie. Es ist aus Schweden! Ich kapiers nicht. Das Beste was uns einfällt sind Room2012. Klasse. Schöne Bescherung wieder dieses Jahr! Also bei mir gibts nur Adam Tensta-It's A Tensta Thing unter den Baum. Übrigens nur im schwedischen Itunes Store erhältlich, aber das wird sich sicherlich bald ändern.

Hinzufügen sollte ich, dass auch seine Videos zu "My Cool" und "They Wanna Know" gelungen sind. Hip Hop und Elektro, beide Themen finden sich wieder. Ich habe Kopfschmerzen, deshalb lausche ich nun lieber den Klängen von Faurés Requiem.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Banging On Your Ear-Drum

Sucht man Facettenreichtum ist ein Hip Hop Album nicht der immer der beste Weg. Abwechslungsreich gestaltet sich meist nur der inhaltlich-textliche Aspekt, das Timbre der Stimme, der Klang der Beats und die Grundstimmung der Soundsprache bleibt oft an einem Punkt stehen.

Es ist prinzipiell schwierig Alben dieser Art zu bewerten. Das lässt sich vielleicht auf das Fehlen eines Zugangs, des Textverständnisses und musikalischer Einschränkung zurückführen. Bei Talib Kweli fällt es dagegen leicht. Da zaubert Norah Jones ein Hauch von Jazz zwischen die Rhymes, KRS-One fegt mit einem Old-School Vibe vorbei und kreativer Aktionismus paart sich mit Popattitüde.

Ich wage einen direkten Einstieg und beginne mit etwas Negativem. Will I. Am hat einen der Tracks produziert (Hot Thing). Nicht unbedingt etwas von dem ich behaupten würde, dass es grundsätzlich schlecht ist. Sein Stil ist deutlich erkennbar, was sich ich zu schätzen weiss. Seine eher minimalistisch orientierten Ideen sind eingängig, auf hohem Niveau entwickelt und umgesetzt. Meine Empfindung welche sich bei diesem Song äußert lässt mich jedoch folgern, dass er nicht in das Album passt.

Bei "Go With Us" kommt Club-Chartbeat Atmosphäre auf, bleibt dabei kurz vor einem 50 Cent Typus stehen und ist lässig. Es eröffnet nicht Gedanken an 14jährige Gangster in FUBU Klamotten. "Hot Thing" allerdings bedient eine Art Chartklischee. Zwar ist er von allen Tracks derjenige welcher sich sofort im Hirn festsetzt, aber nach längerem Hören des Albums, vom Rezipienten schnellst möglich gelöscht werden möchte. Talib Kweli will gefallen, ohne dabei an Aussagekraft zu verlieren. Das ist bei fast allen Songs gelungen, nur bei "Hot Thing" tritt zu viel Pop in den Vordergrund. Ich versuche mich nun aber nicht mit dem einen Titel zu lange aufzuhalten.

Hostile Gospel Pt.1 ist fantastisch. Fetter Beat, tolles Arrangement mit Chor, Klavier und ein Rapflow der sich zwischen direkt und flexibel einpendelt. Hip Hop in Höchstform. "Country Cousins" schließt nahtlos an. Wieder eine Menge Stimmgewalt im Hintergrund, welche die Reime nicht stört. Die Bläsereinwürfe sind spontan und oft unberechenbar. So wird Spannung erzeugt, ohne in hektische Strukturen auszuarten.

Das Rap auch entspannen kann zeigt "Soon The New Day". Die Bridge vor dem ersten Chorus ist extravagant anders und göttlich schön. Ebenso der Chorus selber. Norah Jones gibt ihre stimmlichen Charakteristika zum Besten. "Listen" macht seine Aufforderung wahr und das "Space Fruit Interlude" ist erfrischend blöd und gut.

Das hervorstechendste Merkmal dieses Album ist die Vielfalt, die dabei klare Linie von Talib Kweli, die Masse an Songs und die Tatsache, dass man wahrlich immer wieder Neues erforschen kann.

Perfekt ist es nicht, aber ich habe schön länger nicht mehr so gerne eine Album gehört, nicht nur einzelne Songs. Ear-Drum sollte man besitzen!