Freitag, 6. Juni 2008

Viel bis wenig

In den letzten Tagen lausche ich vermehrt den eingängigen Klängen des Hip Hop. Nas, Da Grassroots, AZ, Dj Honda, Dj Premier, Jaylib fügen sich zu einem rhythmisch betonten, musikalischen Konvolut zusammen. Ich fühle dabei keinerlei Kontrition oder Scham, auch wenn ich kein waschechter Ganggsstaa bin.

Was ich aber sehe bestätigt meine grundsätzlichen Vorurteile voll und ganz. Wenn man Musik hört dann folgt meist der obligatorische Besuch bei "youtube", um Videos und besonders live Auftritte verfolgen zu können. So auch in diesem Fall geschehen. Kein Wunder also, dass ich mich freute, denn das gibt dem Hörerlebnis eine zusätzliche Dimension. (vorallem natürlich die Visuelle)

Ich kann an dieser Stelle fast keinem der Musiker gratulieren, wirkliche Qualität kann ich nicht konzedieren. Hip Hop live ist eine absolute Katastrophe. Die Kiffen, da laufen 20 Leute aus der Entourage verwirrt über die Bühne, die brüllen unverhältnismäßig unartikuliert ins Mikrofon oder hängen dem Tempo dermaßen hinterher, dass von laid-back schon lange keine Rede mehr sein kann.

Fehlende Professionalität, fehlendes Talent oder was auch immer sich dahinter verbergen mag, es nervt. Das viele Hip Hopper keine guten Musiker sind, brauche ich nicht weiter empirisch zu untersuchen, aber gerade diese Gattung im weiten Feld der Musikgenres sollte den Begriff Taktgefühl schon einmal vernommen haben.

Selbst Lupe Fiasco den ich für seine gute Bühnenpräsenz gelobt habe, kann ich jetzt kein makelloses Zeugnis mehr ausstellen. Bei einer Veranstaltung des Senders Mtv zum Komatrinkereignis des amerikanischen "Spring Break" kratzt seine präpotente Stimme an der Grenze der Erträglichkeit. (man suche nach: Lupe Fiasco-Daydreamin' Springbreak) Manchmal kehrt sich überschwänglicher Enthusiasmus auch ins Negative um. Schade.

Man kommt dabei schon ins grübeln, besonders wenn einem bewusst wird, dass der Großteil des Geldes heute mit Konzerten zu holen ist. So wenig CDs werden dann wohl doch nicht verkauft, sonst hätten die Rapper nicht alle so viel Bling um den Hals. Ich glaube ich gehe mir jetzt eine von den gefälschten Diamantuhren kaufen. So etwas wird tatsächlich verkauft!

Freitag, 30. Mai 2008

Ich habe delinquiert

Ja, ich habe gesündigt. Ich habe es tatsächlich gewagt Deutschland sucht den Superstar zu schauen. Einer der wahrlich langweiligsten Samstagabende, die ich je verbracht habe.

Grundsätzlich hat das Wort "Dsds", bzw. das damit verbundene Spektakel, einen wirklich pejorativen Charakter erhalten. Talentierte Sänger zu suchen und sie zu einem Popstar zu formen, dass ist ein fingiertes Konzept. Um es exakt zu formulieren, darum ging es auch nie. Die angepriesenen Mottoshows sind dröge Veranstaltungen ohne Witz und Charme, fern jeglicher Inspiration und Abwechslung. Das Augenmerk liegt auf den vorrangegangenen Castings. Konservative Medienwächter protestieren vehement, während das gemeine Volk sich an dilettantischen Gesangesdarbietungen ergötzt und delektiert.

Den manchmal brutalen, zurweilen auch verachtenden Sprüchen Dieter Bohlens frönen die Zuschauer und honorieren mäßige Interpretation der immerselben Songs mit überschwänglicher Zustimmung. Der Wunsch nach kurzweiligem Ruhm und schnellem Geld ist bei den Kandidaten scheinbar oft zwingender als die Gabe der gesunden Selbstreflexion.

Ich bin grundsätzlich der Überzeugung, dass jeder selber die Verantwortung trägt wenn er oder sie sich entschließt an den Castings zu partizipieren. Es lässt sich sicherlich eine kontroverse Diskussionsrunde initiieren, welche sich dem Thema der fehlenden Mündigkeit junger Menschen widmet und sich über den tiefen Schlund der kapitalistischen Ausbeutung auslässt, aber es handelt sich immerhin um die fünfte Staffel. Die Kenntnis über den zu erwartenden Misserfolg muss einfach vorrausgesetzt werden können.

Warum jedoch schafft es "Dsds" nicht einen guten Künstler zu formen. Mark Medlock ist nur mit Erfolg gesegnet, weil Dieter Bohlen nicht von seiner Seite weicht oder andersrum. Seine Songs sind von äußerst geringer Qualität. Alexander Klaws jodelt inzwischen beim Musical, Elli (wenn man ihren Namen so schreibt) war ein Totalflop, Tobias Regner konnte schon nach der ersten Single seine Sachen packen und was jetzt aus Thomas Godoj wird weiss auch keiner. Musik ist aber bestimmt "sein Leben" und da er so ein richtiger Musiker ist, wird er auch immer Musik machen.

American Idol zeigt das es auch anders geht. Wir Europäer monieren nur allzuoft bezüglich des amerikanischen Selbstverständnisses, welches aus unserer Sicht von außerordentlicher Überheblichkeit, Naivität und unermesslichem Konsum geprägt ist. American Idol ist überraschenderweise um Klassen besser als sein deutsches Pendant. Da muss man sich doch auf Grund der vorangegangenen Auflistung fragen wie das denn überhaupt sein kann.

Die Antwort gestaltet sich eher schlicht. Das Konzept der Show in den USA ist anders fokussiert. Es glänzt an der ein oder anderen Stelle auch mit völlig irritierenden Äußerungen der Jury (s. Paula Abdul) bemüht sich aber gleichzeitig eine musikalische Qualität zu wahren. Es geht nicht so sehr um die Schaffung und Erzeugung beschämender Momente sondern um die Suche nach einer Person die sowohl optisch und sängerisch gelehrig ist und willig sich der Musikindustrie auszuliefern.

Das dabei Marionetten der Plattenfirmen gezeugt werden ist in den meisten Fällen anzunehmen. Doch auch in dieser Hinsicht belehrt uns American Idol eines Besseren. Chris Daughtry hat seine Chance genutzt und sich sowohl interaktiv am Entstehungsprozess seines Debüts beteiligt, als auch die Vorteile des Sprungbretts "Casting Show" genutzt. Das Ergebnis ist ein zuweilen etwas flaches, zu poppiges Album, das dennoch Höhepunkte hat und Respekt verdient. Im Übrigen mag ich es.

Rtl wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit hüten die Konzeption seiner Show zu ändern. Das ist schade, denn so bleiben uns wohl mögliche Talente verborgen. Heute schrecken die Deutschen Plattenbosse nichtmal mehr vor einem Engagement ausländischer Produzenten zurück, was zur Folge haben könnte, das wirklich gute Musik geschaffen wird.

Ich würde mir einfach wünschen, dass das deutsche Fernsehen mit neuen Idee aufwartet und zwar solchen die sich der Musik widmen. "Dsds" muss man nicht abschaffen. Vielmehr wäre es wünschenswert Musikshows einen Sendeplatz zu bieten, die in welcher Form auch immer Musik besprechen, vorstellen oder auch analysieren. Es wird überall philosophiert, gekocht und sich ausgezogen, da muss es doch möglich sein Musik zu präsentieren. Das wäre sehr nett liebe Intendanten!

Dienstag, 22. April 2008

Pfad der Tugend

Da hört man die Stones und was bekommt man gesagt? Das ist doch gar nicht deine Zeit! Schön ist, dass das bei den Stones gar nicht stimmt, denn die Opas werden auch noch im Sarg auf der Bühne stehen.

Kontempliere ich über das Lebenswerk der Stones, komme ich zu der Auffassung, dass es zwei Arten von Stones Hörern gibt. Zur ersten Gattung zählen die treuen, langjährigen und vernarrten Fans, zur zweiten zählen diejenigen, die schon zu Beginn einer Konversation von ihrer monumentalen und unbändigen Liebe, die sie für die Stones empfinden, schwadronieren. Ich jedoch habe weder die Stones gehört noch exzessiv über ihre Vorzüge referiert, womit ich mich selber aus meinem Zwei-Klassen System ausschließe.

Gestern lauschte ich den Klängen von "Sticky Fingers", was mich um eine Erkenntnis bereicherte und überraschender Weise habe ich endlich verstanden warum so viele der Gruppe huldigen. Es ist nicht die verrückte Drogenzeit gewesen, die Tatsache das sie zu einem Phänomen der Musikszene geworden sind oder das Faktum, dass Captain Jack Sparrow Gitarre bei ihnen spielt. Die machen einfach ihr Ding und sind musikalisch fast undefinierbar.

Das ist weder Rock, noch Blues, noch Pop, noch Progressive Extreme Grind Emo Core. Kurz gesagt das ist Alles, was aber nicht bedeutet das es Nichts ist. Es sind einfach die Stones. Da wird zu Beginn mit einem Opener gerockt, dann gibt es ein Slide Guitar Intermezzo und schlussendlich wird wehmütig eine Akustikinstrumentierung in Szene gesetzt. Jedes Stück kommt locker daher. Der Hörer gewinnt den Eindruck von einer entspannten, gleichwohl professionellen Band, die darauf bedacht ist ein Album zu entwickeln, das anderen Künstlern zu Neid gereicht. Ich find es geil!

Letzteren Satz hätte ich vor zwei Tagen noch nicht formuliert. Ich vermute es ist auf dieses unbeschwerte Gefühl zurückzuführen. Man hört nicht das vielleicht 200 Takes nötig waren um die Phrasierungen ausreichend zur Geltung zu bringen. Sogar Country klingt bei diesen Herren irgendwie nicht zu sehr nach dicken Amerikanern mit Texas-Akzent, Hut, Pickup und Shotgun.

Da meine Stones Erfahrungswerte erst am Anfang ihrer Entfaltung stehen weiss ich noch nicht welches schwarze Tal der Kreativlosigkeit sie durchschritten haben mögen, aber es wird mir auch eine Freude sein das herauszufinden. Bis dahin höre ich Sticky Fingers.

Sonntag, 30. März 2008

Und sonst?

Packende Veröffentlichungen auf dem Sektor der Musikpublikation sind aktuell eher als Mangelware zu bezeichnen. Das ist wohl auf eine postweihnachtliche Krise zurückzuführen, welche sich auch auf die Sektoren Film, Videospiel etc. erstreckt. Gesteigert wird die Flucht in die endlose Langeweile nur noch im so berüchtigten Sommerloch.

Ganz so dramatisch wie gerade erörtert präsentiert sich die Gesamtsituation jedoch bei weitem nicht. Das Schlimmste haben wir hinter uns, das trifft hoffentlich auch auf das Wetter zu. Was sich aber deutscher Staatsbürger nennt, ist von Geburt an mit einem Talent zum Nörgeln gesegnet. Dieses bedarf ausgeprägter Pflege und muss ansprechend zelebriert werden, denn wenn wir ehrlich sind empfinden wir beschwingende Satisfaktion bei ebensolcher Tätigkeit. Folglich will ich lamentieren und das in ausgeprägter Art und Weise.

Beginnen werde ich mit "Disturbed". Live können sie den Druck und die so fesselnd kompakte Produktion ihrer Alben nicht transportieren. Das ihr so unverwechselbarer Stil sich aber schon auf drei Studioproduktionen wiederfindet ist beachtlich. Noch beachtlicher ist, dass ein viertes Werk im Juni folgt. Zwei Songs sind schon zum Download auf der ihrer Homepage bzw. bei "myspace" zum Rezipieren freigegeben. "Solider Disturbed Sound", kann ich definitiv attestieren. Mehr aber nicht. Die Revolution bleibt erwartungsgemäß aus. Würden "Disturbed" etwas Neues machen würden sie aber wohl oder übel ihr "St. Anger" erleben und das will nun wirklich keiner. (Es scheint aber mehr Gitarrensoli zu geben. Das finde ich super!!!)

Was auch niemand will ist Madonna. Jeden Song den sie veröffentlicht hat malträtiert in unerträglicher Weise unsere Gehörgänge. Die Kollaboration mit "JT" und "Timbo" war unausweichlich und auch in Zukunft wird sie uns mit ihrem Schauspieltalent beglücken. Unnötig zu erwähnen, dass "4 minutes...." nach 30 Sekunden schon jeglichen Charme verloren hat.

Die Flut von Neo-Soul die im Vereinten Königreich ihr Unwesen treibt findet in "Duffy" den nasalen Höhepunkt. "Mercy" ist ein super Song. Coole Atmosphäre und edler Sound ziehen Alle in einen Bann. Da fällt einem auch erst beim zweiten Hören auf, dass "Duffys" Stimme wahrlich wenig mit Soul zu tun hat. Schrill und mit dezentem Kreischfaktor wird man umgarnt und gibt sich der Soul-Koketterie hin. Die Songs sind Soul, die Stimme nicht, also bitte nicht als solche verkaufen.

Vor einiger Zeit war ich noch auf Grund der letzten "P.O.D." Studioproduktion pikiert, die sich immer tiefer in Nu-Metal Gematsche verlor. Nu-Metal muss tight sein! Ist doch nicht so schwer. Anfang April steht nun ihr neustes Werk im iTunes Regal und zwar mit altem, neuen Gitarristen. Ähnlich wie bei "Disturbed" sind zwei Songs zum Hören bereitgestellt.
Besser als beim Vorgänger ist der entwickelte Sound aufjedenfall, aber so krachen wie bei "Satellite" tut es nicht. Die Verzweiflung steht mir ins Gesicht geschrieben. Manchmal denke ich mir, es wäre gut wenn Bands das Klangbild ihres besten Albums einfach kopieren würden. Nuancen kann man ja ohne Probleme hinzufügen und gestalten. (Wahrlich blöde Idee)

Noch besser sie engagieren mich als Produzent!!! Dann wirds spitze!

Warum die Plattenbosse von Britney Spears den besten Song ihres aktuellen Albums erst als dritte Single veröffentlichen, als der Zug schon längst abgefahren ist, das weiss ich leider auch nicht. Über das so kreativlose Animationsvideo brauchen wir wohl gar nicht erst zu sprechen.

Die Erkenntnis, dass "Moby" kein richtig gutes Album mehr machen wird, ernüchtert Keinen mehr. Das die Kritiker R.E.M wieder mögen interessiert mich nicht. Das Mr. West "Estelle" zu Ruhm verhelfen will ist löblich, aber "American Boy" irrt zwischen genial und belanglos umher. P. Diddy castet zum 70-mal eine Band und so gut die Damen von "Danity Kane" auch singen, tanzen und aussehen mögen, der Erfolg bleibt aus. Schlechte Songs verkaufen sich nicht immer.

Wie JR Rotem auf die Idee kam mit Sean Kingston "Beautiful Girls" zu produzieren ist mir ein Rätsel, aber "Take You There" entschädigt mit den herrlichen Sythie Sounds und dem leicht ironischen Textzeilen. Erfreulich auch das "Surkin" sein Talent nutzt und ein wenig in Richtung 80ziger treibt. Bei Jimi Blue läuft die Popmaschinerie auf Hochtouren, aber eine Bitte hätte ich da doch! Ich wäre positiv überrascht wenn jemand in seinem Management etwas Geld für das Erlernen der englischen Phonetik bereitstellen würde. Ehrlich. Man kann ihn für Alles hassen, auch wenn unsere kapitalistische Gesellschaft einfach so ist, aber bitte bringt ihm bei wie man Englisch spricht!!!

Bei Daughtry klingt jeder Song gleich, aber trotzdem super Album, irgendwie eine Mischung aus Creed und Nickelback.

Samstag, 22. März 2008

Ein Fiasco?



Oh, ich liebe Überschriften mit schlechten Wortspielen und deshalb mag ich auch Hip Hop. Ob Method Man von seinen Drogeneskapaden berichtet, " I got, fat bags of skunk,I got, White Owl blunts, And I'm about to go get lifted, Yes I'm about to go get lifted" oder Lupe Fiasco sich vehement gegen selbige wehrt, da ist für jeden etwas dabei.


Old School Rap hat durchaus das Potential zu nerven. Genauso aber die neueren Kreationen aus den Samplern. Das liegt daran, das Vieles einfach billigt klingt. Kanye West gibt sich alle Mühe soviel Hip Hop Kunst zu betreiben wie möglich. Da lohnt es sich auch schonmal "Stronger" von 10 verschiedenen Leuten mixen zu lassen. Lupe Fiasco hat sich auch auf eine solche Musikproduktion fokussiert und so richtig klappen will das nicht.


Viele Streicher, weniger pompös als bei Mr. West, eine Anti-Gangster Attitüde, eine markante Stimme und ein bißchen Soulflair. Das funktioniert schon relativ gut, aber dann kam "youtube". Also von vorne. Ich habe das Food und Liquor Album gehört. Nicht schlecht. Durchaus abwechslungsreich. Dann suchte ich nach einem Live-Auftritt bei erwähnter Internetplattform. Daydreamin' live on Letterman war dort zu finden und sogar Jill Scott war wirklich live mit dabei.


An dieser Stelle sollte gesagt sein, dass ich nicht der größte Fan von Bühnenauftritten der Rapzunft bin. Die hängen dem Tempo oft hinterher und sabbern sich ins Mikro einen zusammen. Der Beat kommt nicht fett und auch sonst nervt die Entourage die mit Handtüchern um den Hals umherhüpft.


Lupe machts anders. Band, Streicher mit Instrumenten und kein Vinyl. Sehr gut. Blöd nur, dass es live besser ist, als auf der Platte. Die mag ich gar nicht mehr hören. Das Schlagzeug klingt so, wie Käse aus der Dose schmeckt. Jill Scotts Stimmgewalt wurde weggemixt und Herr Fiascos exzessives Armgewedel findet auf der Cd keine Energieumsetzung. Vielleicht wollten sie es einfach ein bißchen zu gut machen. Die Musik ist einfach nicht so fett, umso beeindruckter bin ich von der Tatsache, dass er live ein Wucht ist und das mich vorallem seine Texte mehr interessieren als die Produktion. Das spricht sicherlich für einen Rap/Hip Hop Musiker.


Das bringt mich auf den Gedanken, ob es nicht eine Überlegung wert ist, Lupe Fiasco mit einer um Streicher, Bläser, Filmmusikkomponisten und Dj erweiterter Band ins Studio zu stecken. Ein wenig analoges Aufnehmen einsetzen und die Vocals etwas roher daherkommen lassen. Ich glaube, dass würde mir die Ohren wegpusten. Wenn man sich die Riesengarde an Produzenten leisten kann, wie sie bei Food und Liquor zum Einsatz kam, dann sollte dieses Unterfangen kein Problem darstellen. Mit der Band kann er dann auch gleich seine fantastische Liveperformance bieten. Denken sie darüber nach Herr Fiasco, sonst wirds spätestens beim dritten Album langweilig!

Mittwoch, 19. März 2008

Nachtrag

"I got in my car. I remember I was listening to Jeff Buckley doing Leonard Cohen's (song) Hallelujah and sat there and took a bunch of (prescription drug) Adavan in a Best Buy (store) parking lot."

Pete Wentz

Donnerstag, 13. März 2008

Wer braucht schon Till Brönner

Unentwegt bemühen sich die Medien eine kleine Priese Jazz und Klassik in den Kosmos zu streuen, um das Gewissen des Zuhörers zu entlasten. Den Großteil der Menschen, sofern nicht elitär oder unentwegt durch "die alte Schule" geprägt besinnt sich nämlich auf Rock/Pop und die älteren Mitmenschen auch manchmal auf Schlager. (die Besoffenen auch) Besagtes Gewissen gilt es aber auch zu beruhigen und daher muss man ab und an erzählen was man denn Alles an Klassik und Jazz so rezipiert. Ja, is klar.

Till Brönner ist da ein schönes Beispiel. Der darf mal ein wenig bei Schmidt und Pocher spielen, wird beim "Echo" mit der Kamera eingefangen und besitzt ein ansprechendes Äußeres. Genauso wie Lang Lang, Anna Netrebko und die Verbliebenen die mir erst einfallen wenn ich gerade den Artikel fertig habe.

Irgendwie polarisieren diese Musiker nicht richtig. Außer Frage steht, dass ihr Handwerkszeug exzellent ist. Lang Lang bildet eine fast komische Erscheinung und besitzt herrausragende Technik. In Anna Netrebko hat man eine Opern-Diva gefunden, die nicht 7 Tonnen wiegt und Till Brönner spielt bei jedem Song ein anderes Instrument.

Bekennen kann ich mich jedoch zu keiner Person. Spreche ich davon das ich Brönners Dvd gut finde, dann bekomme ich zu Hören, wie innovativ es doch ist, dass er einen Dj dabei hat. Oh ja. Würde ich Netrebko live sehen, dann würde die Frage gestellt ob die denn live auch so toll singen kann wie im Fernsehen. Argh. Bei Lang Lang wäre wohl auch eher nach Schnelligkeit und nicht nach Interpretation gefragt usw. .

Das nervt. Vermeiden kann man das nicht, aber es nervt. Wenn ihr Oper ansprechend findet, dann beschäftigt euch damit und geht doch nicht in eine Open-Air Veranstaltung mit 50000 anderen Menschen, wo man Alles nur über Lautsprecher hört und ja, Weihnachtsalben sind immer scheisse. Entschuldigung. Die sind scheisse! Egal von wem und es gibt weiss Gott genug von dem Zeug.

Also wer sich für Klavier interessiert kann es ja mal mit Swjatoslaw Richter versuchen und wenn man Trompetenfetischist ist Joo Kraus "Public Jazz Lounge" hören. Opern von von Gluck ohne Netrebko sind auch toll. Viel Spaß!

Mittwoch, 12. März 2008

Das höre ich nicht

Diese Aussage treffe ich dann, wenn weinerliche Stimmen sich mit effektüberladenen Gitarren und einem Schlagzeug welches das Ride-Becken quält vereinen. Eben Coldplay oder so.

Schlecht ist die Musik nicht, aber wollen wir denn wirklich dieses depressive Gejaule? Einige schon, ich nicht. Umso erstaunlicher ist das Ereignis, das sich vor einigen Tagen zutrug. Da macht mich doch jemand auf Jeff Buckley aufmerksam. Kannte ich bis jetzt nicht.

Jeff Buckley ist seiner Zeit wohl um Jahre vorraus gewesen und laut Wikipedia ist er zu allem Überfluss auch noch bei einer Mutprobe ersoffen. (Lasst doch bitte diesen ganzen Quatsch) Aber wahrscheinlich haben sie auf seiner Beerdigung Songs von seinem Album "Grace" gespielt. Dabei ist der Pegel des Tränenmeeres wohl noch einige Meter gestiegen.

Ich muss an dieser Stelle auch bekunden, dass ich ein Experiment vorhabe. Der Versuchsaufbau ist denkbar einfach. Frau, "Hallelujah" von Buckley aus den Lautsprecher und es folgt die Heulerei. Soweit zumindest die Theorie. Das wird bei Gelegenheit getestet.

Warum war er seiner Zeit vorraus? Simpel. Er machte 1994 das, was heute Coldplay und andere kreieren. Kraftvolle Songs, mit viel Melancholie, einer außergewöhnlich klaren Produktion und viel Herzschmerz. Achja und Grunge!

So schön wie Mojo Pin dahingleitet, so derbe rockt "Eternal Life". Das Cover "Hallelujah" drückt auf die Tränendrüse. Die Stimme sehnt sich und erhebt sich in ungeahnte Höhen und die Gitarren klingen nicht nach den matschigen 90zigern. Wirklich ein Hörgenuss, wobei die Erträglichkeit der Musik sich für mich in Grenzen hält. Ehrlich gesagt ertrage ich das Album "Grace" auch nicht länger als 15 Minuten. Es bedarf etwas Frohsinn für meine Seele nach einem Ausflug in die Buckleysche Depression. Dieser Ausflug lohnt aber wirklich.

Morgen gibts was zu Till Brönner, hab schon angefangen!

Dienstag, 19. Februar 2008

Mit RZA am Lagerfeuer

Mit dem Bloggen ist es wie dem Lernen. Man muss sich immer durchringen etwas zu erledigen, auch wenn das Gefühl der Zufriedenheit und des Stolzes nach vollbrachter Arbeit lohnend ist.

Mich bestrebt es zu dieser Jahreszeit eher Artikel zu formulieren, die sich vielen kleinen Aspekten widmen und diverse Themen ansprechen. Ich könnte auch sagen mir fällt nichts ansprechendes ein, aber das würde ja kein gutes Bild auf mich werfen!

Zwischen Kaffee und italienischer Grammatik kann ich mich jetzt aber überwinden eine Worthymne in Richtung Wu Tang zu jubilieren.

Der Wu Tang Clan ist schon eine ziemlich zerfahrene Gangsterkollaboration. Da werden Mitglieder erschossen, Drogen im Überfluss konsumiert und in Interviews wird sich möglichst undeutig artikuliert. Hat natürlich auch einen ganz besonderen Charme, wären da nicht die wenig erfolgreichen und qualitativ niedrig anzusiedelnden Alben der vergangenen Jahre. Das aktuelle Album gereicht mir aber nicht mehr zu Enttäuschung sondern zu einem Glückshormonschub, wenngleich es ohne Hit und etwas zerfahren daherrapt.

Mit "8 Diagrams" melden sich die "Killah Mcs" endlich standesgemäß zurück. "Campfires" dreckiger Groove lässt mich direkt konsternieren und ist eine Wonne für jeden Hip/Hop Rap Fetischisten. "Take it back" überzeugt mit simpler Beatkonstruktion und "Get them out ya way pa" definiert sich harmonisch durch den Bass. "Gun will go" hat das Fundament, das Bushido gern hätte und "Life Changes" gibt sich melancholisch. Abgerundet ist das Werk bei "16th Chamber" mit einer kräftigen Prise Old-School.

Die Mitglieder des Clans gingen in den letzten Jahren jeder ihren eigenen Weg. Ghostface Killah macht seinem Ruf als besonders talentierter Mc alle Ehre (Run feat Jadakiss). RZA bastelte Beats für sich und die Welt und hielt sein Wu Tang Tattoo bei "American Gangster" in die Kamera. Method Man taucht immer mal wieder in Filmen auf bei denen es ums Kiffen geht und was der Rest so getrieben hat will ich nun nicht recherchieren.

Womöglich ist die nicht ganz zusammenhängende Klanganmutung des Albums das Resultat aus dieser verschiedenen Ausrichtung und fehlender Zusammenarbeit. Umso erstaunlicher, dass es überhaupt zu einem Album dieses Kalibers gekommen ist. Daher bin ich ruhig und genieße einfach!

8 von 10 Punkten. Abzüge gibts, aber die sind zu vernachlässigen.

Sonntag, 10. Februar 2008

Die Rumpelkiste

Der durchrationalisierte Klausurplan der letzten Tage hat mich doch arg vom bloggen abgehalten und auch sonst war ich geistig eher abwesend. So kam es nicht einmal dazu, dass ich zu Hauf Artikel im Kopf vorformulierte. Eben dieses ist bei mir als gängiges Phänomen zu beobachten. Dumm dabei ist nur, dass ich regelmäßig das konzis zusammengestellte Gedankengut vergesse. Nächste wichtige Anschaffung wird also ein Diktiergerät sein.

Nun zur Rumpelkiste. Man wühlt so in seinem Schrank und findet längst in Vergessenheit geratene nutzlose Kleinigkeiten, die einem den größten Spaß bereiten können. Festplatten von Computern tun oft denselben Dienst. Ein Streifzug durch "Eigene Musik" kann sich lohnen, denn die Musik in meiner iTunes Mediathek beschränkt sich auf das Wesentliche und dieses vermochte mich gestern zu langweilen. Somit war das Stöbern zwischen den ganzen alten Titeln unausweichlich.

Und was habe ich da gefunden? Smash Mouth, Crazy Town, Crossfade, 12 Stones usw. . Kulturell wertvoll ist das nicht. Smash Mouth und Crazy Town sind nach 2-3 Hits in der Versenkung verschwunden, Crossfade und 12 Stones haben gute erste Alben vorgelegt und repetieren seitdem eben diese auf den aktuellen Platten. Genossen haben ich den Ausflug dennoch.

Ich muss jetzt auch wieder lernen und wollte nur einen kurzen Anstoß zum durchwühlen alter Musikträger bieten!

Samstag, 26. Januar 2008

Weiter so!

Über Scott McKeon habe ich in einem meiner ersten Artikel, vielleicht sogar dem Ersten, berichtet.

Sein Debütalbum fegt immer noch durch meine Lautsprecher und bei myspace kann man sich immer mal wieder einen neuen Song anhören. Sehr gut!

Bei "I Can Tell" und "I Don't Want It Back" ist er seinem Ton und Stil treu geblieben, gab sich aber eher dezenter und minimalistisch. Es folgte ein durch Robert Johnson inspiriertes Akustikwerk (was leider momentan nicht mehr verfügbar ist) und jetzt ein Groovehammer namens "What I've Become"!

Unglaublich wie er so roh und dreckig seine Gitarre malträtiert und das Schlagzeug so laut in Szene setzt. Bam! Yippie. Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie ein totgesagtes Genre zurückkehren kann und wenn es auch nur ein oder zwei Interpreten sind, die es repräsentieren.

Keiner macht momentan besseren Blues!

Übrigens: Arte, 22.45, Jamsession mit Manu Katché

Und nun?

Das Weihnachtgeschäft war wieder schlecht. Katastrophale Verkaufszahlen bei den CDs und Besserung ist nicht in Sicht.

Um der schwierigen Lage Herr zu werden entlassen die Plattenfirmen jetzt Mitarbeiter. Das ruft dann die großen "Künstler" der Labels auf den Plan, die mit dem Zurückhalten ihrer Alben Protest bekunden. Man könnte auch sagen, "es geht Alles den Bach runter".

Das die Plattenfirmen aussterben kann als bewiesen angesehen werden! So lautet die gängige These. Fraglich ist jedoch was sie ersetzen wird. Eine Garde aus youtube Talenten, die von Marketingagenturen gefördert und Produzenten hochgezüchtet wird? Vielleicht liegt die Zukunft auch in den Händen der Homestudio-Musiker! Denkbar ist auch eine komplette Umstrukturisierung, bzw. Neuorientierung der Labels. Die Flut von Artikeln, die dieser Tage hochgeladen wird, beschäftigt sich mit dieser Thematik. Die Darstellung der Tatsachen steht hierbei im Vordergrund, ein konstruktiver Zukunftausblick bleibt auf der Strecke.

Es werden vergleichbare Aspekte angesprochen wie sie in meiner Aufzählung zu finden sind, eine interessante Lösung oder einen kreativen Vorschlag gibt es bedauerlicherweise aber nicht. Das Ganze weckt Assoziationen zur Autoindustrie. Da schwingen die Politiker reden über Klimaschutz und auf den Automessen werden irgendwelche "Ecofuel" Autos präsentiert. Jeder baut ein Auto, das entweder Hybrid hat, mit Wasserstoff fahren kann oder ein anderes Gas in die Brennräume sprüht. Zukunft hat von diesen Prinzipien wohl Keines. Hybrid ist nur gut um eventuell die Erwärmung für ein paar Jahre zu verschieben und belastet dabei die Umwelt mit den äußerst "umweltfreundlichen" Akkus. Um Wasserstoff zu produzieren müssen wir erst Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen und Gas ist sowieso Blödsinn. "Was nun?", folgt jetzt auf ein "Warum?" und einfach ist die Antwort bei weitem nicht.

Plattenfirmen sind noch keine besonders alte Erfindung und dennoch haben sie ein Talent wichtige Trends zu verschlafen, was womöglich zu ihrer geringen Beliebtheit beiträgt. Nehmen wir das Beispiel "youtube". Als die ersten Musikvideos auf dieser Plattform auftauchten intervenierten sofort Anwälte der Labels und sorgten dafür, dass regelmäßig Videos entfernt wurden. Verständlich ist es schon, denn zwischen Sendern wie Mtv und den Plattenfirmen fließt auch Geld und daher kann es bei kostenloser Veröffentlichung zu Interessenskonflikten kommen. Der Aspekt der kostenlosen Werbung, der immensen Verbreitung und der weltweiten Verfügbarkeit überwiegt aber. Es dauerte in der Folge aber eine Ewigkeit bis die Unternehmen verstanden, dass sie das Phänomen der Streamvideos nicht beenden, sondern sich zu nutze machen mussten bzw. müssen. Im Übrigen frage ich mich wo man Musikvideos sehen kann, wenn nicht im Internet?! Bei allen Musiksendern laufen maximal 30 verschiedene Videos am Tag. Aussuchen kann man sie sich auch nicht, außer man "votet" vielleicht.

Ein noch viel gravierendes Beispiel ist wohl Itunes. Viel mehr kann man gar nicht falsch machen. Steve Jobs war und ist durchaus an einer guten Beziehung mit den Plattenlabels interessiert. Doch seine Vorschläge werden meist zurückgewiesen und so dominiert jetzt Apple das Ganze Internetmusikgeschäft. Die Einnahmen müssen schon jetzt beeindruckend hoch sein und wir stehen bei diesem Prinzip des Musikkaufs auch noch am Anfang. Diese Monopolstellung zu brechen wird für die Labels sehr schwierig. Da hat jemand ganz gehörig gepennt!

Störend finde auch den Aspekt, dass sich darauf beschränkt wird jegliche Downloads zu verbieten und unter Strafe zu stellen. Stattdessen sollten die Anstrengungen lieber auf attraktivere Vertriebswege etc. gelenkt werden. Denn die Zahl der illegalen Downloads wird vielleicht in Deutschland zurückgehen, aber auch die Lust etwas zu kaufen. Ich persönlich kann mit Cds nichts mehr anfangen. Die kommen direkt in den Rechner, somit auf die Festplatte und auf den tragbaren Mp3Player. Hüllen und Booklets verstauben im Regal. Eine Suchanfrage bei google.de bringt mir mehr Ertrag als der Text des Booklets.

Die Welt wird unbestrittenerweise zunehmend technologisiert und die Menschen werden in Indien und China oder auch Südamerika und Afrika in Zukunft mehr Computer besitzen und Musik runterladen. Dort wird man "illegale" Downloads nicht einfach verbieten können, bzw. zu einer Verurteilung der Straftäter würde es wahrscheinlich kaum kommen.

Wo sind denn Flatrateangebote, wann kann ich endlich billig Serien und Filme laden? Schneller! Die Siebziger sind vorbei! Aufwachen! Jetzt! Sonst ist der Zug bald wirklich für die Plattenlabels abgefahren und eigentlich wollen wir sie auch lieb haben, aber dafür müssen sie erst etwas für uns tun! Eure Chance!

Ich bin im übrigen der Ansicht, dass Plattenfirmen nicht einfach aussterben, so wie Viele glauben. Die Konkurrenz für sie wird größer, weil nicht jeder Musiker auf sie angewiesen sein wird. Ihre Macht müssen sie dadurch erhalten, dass sie die Trends, die wöchentlich entstehen, aufgreifen und zu ihren Gunsten nutzen! Das kann doch wirklich nicht so schwer sein.

Sonntag, 13. Januar 2008

Out of key

Alicia Keys ist Vollblutmusikerin. Sie beherrscht das Spielen eines Instrumentes, besitzt energetische Bühnenpräsenz und betätigt sich als kreative Songwriterin. Ihre aktuelle Single ist jedoch abscheulich.

Entspricht es nicht meiner Philosphie jedes Werk was mich nicht anspricht ins Bodenlose zu verreißen, so muss ich an dieser Stelle eine Ausnahme machen. Die Vorabsingle "No One" ist geradezu unerträglich.

Der monotone, künstlich anmutende und überproduziert laute Beat des Stücks versaut von Beginn an die Substanz. Das einsetzende Klavier wird als obligatorisches Mittel der Melodiesierung genutzt und der Gesang lässt mich flehend in die Knie sinken. Wo sind meine Ohrstöpsel?

Alicia Keys singt sich wie immer den Frust von der Seele, aber diesmal muss wohl der Untergang der Welt kurz bevorstehen. Ihre Stimme vermittelt eine Mischung aus Mandelentzündung, Heulen und Schreien. Dies führt zunächst zu Irritation und dann zu Aggression.

Meine Ohren vernehmen ein Gejaule der besonderen Extraklasse. Ihr melismatisches Gejodel bringt mein Trommelfell an die Schmerzgrenze und der dauerhafte Eindruck, dass sie falsche Töne singt, sorgt auch nicht für Wohlbefinden. Ich kann nicht verstehen wie man das veröffentlichen kann. Da gefiel mir sogar Rihannas Gekrächze bei "Unfaihtful" besser.

So das wars schon!

Empfehlung des Tages: Gang Starr-Royalty, passt perfekt zur Mischung aus wärmender Sonne und Kälte des Winters.

Sonntag, 6. Januar 2008

Aristoteles hätte Mozart gemocht!

"Denn wenn jemand blindlings Farben aufträgt, und seien sie noch so schön, dann vermag er nicht ebenso zu gefallen, wie wenn er eine klare Umrisszeichnung herstellt." (aus Aristoteles, Poetik, übersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann)

Geradezu proletarisch. So spricht der elitäre Tonkünstler. Abwertend ist die Tendenz seiner Aussage, mit dem Hang zu Überschätzung, gepaart mit völligem Unverständnis für andere Musikrichtungen. Desillusioniert wandern manche durchs Leben. Behaftet mit den stärksten, durchzogen von übelsten, geprägt durch die absurdesten Vorurteile. Sie richten sich gegen Musik welche ihnen fremd, unzugänglich oder einfach unsympathisch ist. Freisprechen sollte sich von dieser Charaktereigenschaft keiner. Erinnern würde es lediglich an selbstbezogenen Chauvinismus.

Doch muss grenzenloser Narzissmus hinsichtlich der präferierten Musik denn sein? Wie kann man sich nur durch eine Beschränkung definieren oder inspirieren. Die Inspiration gelingt doch immer durch die Vielfalt, nicht Einfalt. Sicherlich sind Mozarts Werke in ihrer harmonischen Beschaffenheit von außerordentlicher Konzentration und fast poesie-ähnlicher Schönheit. Sicherlich hat Schönberg mit den 12 Tönen jongliert wie ein grandioser Artist. Sicherlich repetiert Popmusik oft in der 2-5-1 Verbindung. Sicherlich ist Hip Hop durchsetzt mit Vulgarismen und nicht Latinismen. Sicherlich ist die Musik, die aus 10101010101 geschaffen wurde, oft genauso banal. Fatal ist es aber sicherlich auch den alten Zeiten nachzutrauern.

Wenn Frauen mit Nachdruck manifestieren, dass Musikstile wie Techno und Metal niemals den Weg in ihr Cd-Regal finden, ist es für mich nachvollziehbar. Auch die Dauerberieselung mit Klängen wie "Summer of 69" jeden Abend in Kneipen und Diskos führt zu kaum einer Regung meines Gemüts. (Da bedarf es schon einiger LaFee oder Jimi Blue Interpretationen.) Was mir unverständlich bleibt ist der Tunnelblick einiger Klassikfans und ihre Verachtung gegenüber dem modernen Popstar. Mozart war kein Stück besser.

Einmalig ist er zweifelsohne. Er trieb die Musik weiter. Weg von barocken 8teln und 16teln. Vom ätzenden Wunderkindmenuett bis zur "Königin der Nacht". Die reinste Form eines Wunders, eines Talents, ein geradezu magischer Moment in der Geschichte. Mein persönliche Meinung divergiert zu dieser Aussage, bezüglich dieses Artikels will ich aber weitesgehend Objektivität walten lassen.

Das Mozart ein, wie zuvor geäußert Wunderkind war, lässt sich nicht bestreiten. Verdient sein Lebenswerk aber die Aufmerksamkeit, die es genießt? Das Angebot an Musik zur damaligen Zeit war wohl eher dürftig. Die Fülle an Musiktiteln, welche der iTunes Store heutzutage offeriert ist immens. Die Vielzahl an Genres überwältigend. Der Ruhm kurzweilig. Kein Wunder das vieles nicht mehr als Glanzpunkt der Geschichte gesehen wird. Es hat schon an Bedeutung verloren, bevor es überhaupt gehört wurde.

Die Wiener wollen immer etwas Neues, wenn man das nicht liefert, haben sie den Künstler/Musiker nach 2 Wochen vergessen. ( Diese Aussage stammt, wenn ich mich recht entsinne, aus einem Brief Mozarts an seinen Vater. Sie ist von mir im Wortlaut abgeändert, da ich das Original nicht vorliegen habe.) Die klare Ähnlichkeit vom damaligen Popstar-Dasein ist also nahezu äquivalent zu unser heutigen Auffassung und dem damit verbundenen Umgang.

Es ist so wie Aristoteles es schreibt. Seiner Betrachtungsweise nach wäre Mozart der geniale Zeichner und Künstler, der sein Handwerk bis ins letzte technische Detail beherrscht. Jennifer Lopez wohl eher die, die durch "Farben" fasziniert. Deren Musik leichter zu rezipieren ist oder anders formuliert, mehr unserem Zeitgeist entspricht.

Der Anspruch und die Vorraussetzungen haben sich verschoben, aber die Mischung aus abgöttischer Verehrung und gnadenlosem Absturz eines Musikers sind geblieben. Kritiker werden an dieser Stelle einhaken und behaupten, dass dem heutigen Popstar eine wichtige Eigenschaft fehlt. Musikalisches Verständnis oder überhaupt musikalische und kreative Arbeit. Komplett abstreiten kann ich diesen Umstand nicht, mich dieser These anschließen ebenso wenig.

Die schiere Anzahl von gequirltem Mist lässt uns manchmal vergessen, dass die Produzenten der Stars, künstlerisch gebildete Multiinstrumentalisten sind. Die Stars selber müssen Singen, Tanzen, gut aussehen, enorm belastbar sein und vieles mehr. Der Gedanke ein Popstar zu sein macht mir zurweilen Angst. Die Vorstellung ein Leben ohne Privatsphäre zu führen, der Wunsch von Fans nach Unfehlbarkeit, der Druck. Fürchterlich. Das sollte man nicht unterschätzen.

Resümieren lässt sich also, dass Mozart ein Popstar war, dass er verdammt viel Talent hatte, dass die Grundzüge des Popstartums gleich geblieben sind und das das "Neue Jahr" wie immer eher dürftig begonnen hat.