Dienstag, 17. Juli 2007

Stress und jetzt Urlaub

Ich werde die nächsten drei Wochen im Urlaub verweilen, was bedeutet das es keine Artikel gibt, zumindest keine die ich veröffentlichen werde.

Die Zeit wird aber nicht ungenutzt bleiben, denn Stift und Papier (old-school) sind mit dabei. Mein iPod auch.

5 bis 10 Reviews werden schon zu schaffen sein.

Bis dann, Leo.

Freitag, 6. Juli 2007

Definitv ein Revolver mit Ladehemmung

Slash und der Orden der Schreckschusspistolen, so hätte die Überschrift auch lauten können. Ähnlich wie das neuste Harry Potter Filmspektakel betrat vor einigen Jahren, die bunt durcheinander gewürfelte Combo Velvet Revolver, mit viel Brimborium, die Bühnen dieser Welt.

Gemischt aus Suicidal Tendencies, Stone Temple Pilots, sowie Guns N'Roses war wohl deftiger Rock mit viel Drogen vorprogrammiert. So ähnlich kam es dann auch. Scott Weiland war irgendwie auf Dauerentzug, dass Album verkaufte sich vorallem in den USA prächtig und eine ausgeprägte Tour, inklusive Festivalauftritten, stand an.

Ihr erstes Werk war auch nicht schlecht. Amtlicher Ton, bodenständige Riffs und das ein oder andere Solo und so war ich auch 2005 bei Rock am Ring dazu geneigt sie mir live anzuschauen. Großer Fehler übrigens. Weiland singt jeden Song bodenlos grausam. Einfach katastrophal wie er keinen Ton traf, z.B. bei Dirty Little Thing.

Auch der maßlos überschätzte Slash macht keine tollen Job. Wahrscheinlich hatte er wieder zu viel Jim Beam gesüppelt und war deshalb nicht in der Lage seiner Gitarre ansprechende Klänge zu entlocken. Sein Solo bei ebenfalls Dirty Little Thing ist weit entfernt von dem was man erwarten sollte. Ein Freund sagte vor dem Auftritt noch zu mir: "Da spielt doch Slash mit, spielt der nicht die geilsten Soli überhaupt?" Ganz ehrlich, neeee. Schaut euch mal Zakk Wylde an, der säuft zwar auch wie ein Berserker spielt aber auch wie ein Gott.

Dies war ein Prolog der nun zum eigentlichen Thema des Artikels leiten soll, nämlich ihr aktuelles Album. Heisst Libertad und versagt auf ganzer Linie. Ich bin nicht voreingenommen nur weil Slash scheisse bei dem Gig gespielt hat. Neutral zu bleiben fällt aber bei diesem Rock(opus) wirklich schwer.

Lediglich der Opener Let It Roll ist relativ knackig und macht Dampf. Alles was darauf folgt ist irgendwie Musik zum einmal hören und dann wegwerfen. Zwar amtlich arrangiert und ansprechend produziert, aber einfach nicht "catchy". Kein Song bewegt mich dazu ihn nochmal zu spielen, nichts bleibt hängen, kein Riff animiert zum tanzen. Ich erwarte keine Single, welche bei Mtv den ganzen Tag rauf und runter läuft! Stattdessen wäre aber ein "rundes" Album angesagt gewesen.

Gibt es denn was vergleichbar besseres? Definitv! Black Stone Cherry aus den Südstaaten verzichten auf Starbesetzung und rocken dafür lieber einen Club nach dem nächsten. Ihr gleichnamiges Album zeigt wie Velvet Revolver klingen sollten, aber ich werde auch über diese Band in naher Zukunft referieren, so stay tuned.

3 von 10 Punkten. Hohe Erwartungen werden wirklich zerstört, ihre schlechte live Performance schmälert das ganze zusätzlich.

Donnerstag, 5. Juli 2007

Sand in die Augen,


ist ein hinterlistiger Trick, vieler feiger Ritter, ausgeführt in klischeehafter Hollywoodmanier.

Disturbed,

sind eine brutale Rockband, bestehend aus gereiften Musikern in umwerfender Produktion.

Disturbed sind wie keine andere Band. Woran das liegt ist schnell erklärt. Sind sind kompromisslos. Das sind Bands wie Aborted auch. Nun ja, die sind aber kompromisslos scheiße. (Instrumente verprügeln ist keine Musik! Bitte merken.)

Wie äußert sich ihre Kompromisslosigkeit? Vor allem ist es ihre einfache Sicht der Dinge. Laut, hart und kein Gesülze. Explizit ist ihr Selbstverständnis begründet auf einem dermaßen staubttrockenen Sound, dass ich beim ersten Hören schon Lacrimal Augentropfen brauche (so wie die Ritter wahrscheinlich). Sie verzichten auf den zuletzt so populären Vintage Sound. Wenn ich der 60ziger 70ziger Mucke lauschen will tu ich das auch und bediene mich nicht schlechter Kopien aus der "Neuzeit". Sie stürmen stattdessen mit modernen Metal Hi-Gain Gitarrensounds, unterstützt durch rhytmusbetonte Bass und Drumlinien nach vorne. Gesanglich setzt man auf viel Druck, staccato Shouts und glücklicherweise kein Affengebrüll.

Endlich mal wieder etwas innovatives, ist doch die Rockmusik der letzten Jahre durch zu viele amerikanische independent Rockbands geprägt. Ihre pseudo-intellektuellen Texte gepaart mit zu wenig musikalischem Talent führen zu kurzweiligen Aggressionschüben. Was solls. Lieber wieder über Disturbed reden, die führen nämlich zu ekstatischem Kopfwackeln.

Ihr Werk Ten Thousand Fists ist ein Meisterwerk. Wer braucht die sonst schon fast obligatorischen Balladen? Lieber ein Genesis-Cover. Ja! Genesis-Cover und was für eins. Ich wage mal die These aufzustellen, dass es sich um eins der Top 5 Cover aller Zeiten handelt. Wie der Chrous voller Akkordepik hervorsticht ist just over the top. Sie kommen auch ohne metalübliche Synthiestreicher aus, was mich überglücklich macht.

Das ganze Album ist gepflastert mit potentiellen Hits. 10000 Fists, Just Stop, Stricken, Land of Cofusion (das Genesis-Cover), Sacred Live oder das für Distrubed exemplarische Son of a Plunder wären radiotauglich. Kein Scherz, sondern fundierte Kritik.

Immer wieder bin ich von den ganzen Riffs überrascht die Dan Donegan anbietet. "geht gut ab", ein Zitat aus dem Rezensionsbereich bei Amazon. Nein!!! Geht ab wie eine Kampfsau, die ihre Ferkel vor einer Horde Wölfe verteidigt. Einfachheit bestimmt das Bild, aber mit unerwarteten kreativen Ausbrüchen, die jeden in Staunen versetzen werden.

Fazit: Wer fetten Rock mag, wird Disturbed lieben, wenn nicht, dann besser Hilary Duff hören.

9 von 10 Punkten. Ein Punkt Abzug gibt es, weil ich diese Musik nicht den ganzen Tag hören kann. Bin eben streng, aber die richtige Dosis Disturbed, puhhh....lauter!

Mittwoch, 4. Juli 2007

Ein beeindruckendes Zeugnis musikalischen Genies

In einem melodielosen Klanggerüst aus Beats und Fills schwebe ich dahin. Wünsche mir in Wien Kaffee zu trinken und philosophische Texte zu schreiben, auch wenn mir eigentlich nichts ferner liegt als letzteres. Was mich dazu bewegt? Kruder und Dorfmeister. Klingt irgendwie nicht nach Musik. Muss es auch nicht unbedingt. Die meisten überragenden Interpreten tragen seltsame Namen. Dies vermag sich aber auch ins Gegenteil um zukehren, siehe Rihanna. (nur eine kleine zynische Bemerkung nebenbei)

Zurück nach Wien, ins Mekka der Tanzwütigen. Normalerweise würde man wahrscheinlich nur Sachertorte und Mozart(kugeln) dort suchen, aber weit gefehlt kann ich da nur entgegen. Das ich dort noch nie war muss ich zwar neidvoll zugeben, aber dennoch bietet das Internet bekannterweise ein beeindruckendes Spektrum an manchmal auch wahren Informationen preis. An dieser Fülle von Gedanken labte ich mich eines verregneten Nachmittags im Zuge einer akuten Gewitterdepression und was ich dann entdeckte war besser als jedes pharmazeutische Produkt des Seelendoktors.

Wiederrum muss ich etwas zugeben, nämlich dass ich nicht ganz von selbst auf die Djs Kruder und Dorfmeister gestoßen bin. Zu verdanken hab ich dies meinem ehemaligen Chef des Zivildienstes, welcher geprägt durch viele seiner Cds (tausend aufwärts, vorsichtig geschätzt), die ein und oder andere Musikempfehlung aussprach. Dann brauchte ich ja nur noch Google.

Zurück zur eigentlichen Musik. Was ist Kruder und Dorfmeister denn überhaupt, fragte ich mich selbst. Oftmals wurde ich schon von hochgelobten Musikern enttäuscht, was mich also nicht überrascht hätte wenn eben dieser Fall eingetreten wäre. Weit gefehlt. Exzellente, zumeist elektronische Musik mit einer gehörigen Priese Groove.

The K&D Sessions ist ein derart in sich klanglich geschlossenes Album wie kaum ein Zweites. Jeder Track ist komplett anders von seiner ursprünglichen Idee und dennoch verbindet alle eine magische Kohärenz. Man darf sich von der Welt abkapseln. Im Auto oder zu Hause ist ganz egal, jedoch sollte es relativ ruhig sein, damit man die Vielschichtigkeit dieser Musik zu erkennen vermag und sich ihrer annehmen kann. Sie entspannt bei jedem Atemzug. Weckt Assoziationen und macht Lust auf mehr, sowohl im musikalischen als auch im emotionalen Sinne.

Trans Fatty Acid wartet mit einer trocken aber wunderbar lasziven vokalen, femininen Darbietung auf, die direkt ins Blut geht. Rollin On Chrome hat treibenden Charakter, wirkt aber nie unnötig hektisch. Million Town ist bescheiden und verbindet atonales mit tonalen. Schebend entfaltet sich alles, wenig Melodie, trotzdem viel Substanz.

Es gibt wohl nichts vergleichbar gutes auf diesem Gebiet, aber gesagt werden muss auch, dass nicht jeder sofort Zugang hierzu finden kann und wird. Einen Versuch ist es aber auf jeden Fall wert. Ich war und bin begeistert, auch wenn ich bis vor einem halben Jahr diese Art der Musik nicht zu meinem Geschmack oder Repertoire zählen konnte.

10 von 10 Punkten. Überragend.

Dienstag, 3. Juli 2007

Mehr Vodka geht nicht!


Die Russen sind in der Regel für ihren äußerst kalten Winter sowie den Kommunismus bekannt. Vodka darf man wohl als das weit verbreitetste "kulturelle Gut" bezeichnen. Musik fällt wahrscheinlich nicht unter die ersten 10 Dinge die man nennen würde. Damit wäre dann wohl Alles gesagt.

Nicht ganz. Da gibt es noch eine Kleinigkeit, genauer gesagt 2 Klavierkonzerte. Eines in c-moll Eines in g-moll. Komponiert von einem meiner absoluten Favoriten. Unendliche Melodien aus einer anderen Welt, voller Anmut und Stärke, immer wieder durchtränkt mit der Quintessence aus klassischen und romantischen Fantasien.

Musik welche eigentlich nicht im Konzertsaal gehört werden kann, da die angespannte Stille keinen Platz für ausschweifende Gefühlsausbrüche des Geistes bietet. Nichts ist vergleichbar mit der Virtuosität der beiden Konzerte (2&4) von Rachmaninoff, gespielt von Vladimir Ashkenazy und dirigiert von André Previn.

Hören ist hier angesagt und das meine ich auch so wie ich es schreibe. Nicht mal eben 30 Sekunden anspielen sondern komplett von Anfang bis Ende lauschen und entdecken. 11 Minuten reiht sich im Moderato ein Höhepunkt an den nächsten, nichts wiederholt sich und wenn subtil und unaufdringlich. Akkorde, Melodien, Läufe alles findet sich. Gefühl und Technik wird beim Spiel gleichermaßen gefordert. Ich will keine genauen Beispiele geben, dafür gäbe es zu viele.

Diese Musik ist genauso Komplex in ihrem harmonischen Gerüst wie Mozart, aber viel zugänglicher. Sie spricht zuerst den emotionellen Menschen und nicht den rationellen an. Auf Grund dieser Tatsachen war er wahrscheinlich nie der gefeirtteste oder akzeptiertteste Komponist. All die konservative Kritik war lange Zeit seinem musikalischem Gedankengut verschlossen gegenüber. Zum Glück hat sich dieser Umstand in das Gegenteil umgekehrt und wir können alle an der unbändigen Schönheit und Ästhetik teilhaben.

10 von 10 Punkten, geht gar nicht anders!