Sonntag, 30. März 2008

Und sonst?

Packende Veröffentlichungen auf dem Sektor der Musikpublikation sind aktuell eher als Mangelware zu bezeichnen. Das ist wohl auf eine postweihnachtliche Krise zurückzuführen, welche sich auch auf die Sektoren Film, Videospiel etc. erstreckt. Gesteigert wird die Flucht in die endlose Langeweile nur noch im so berüchtigten Sommerloch.

Ganz so dramatisch wie gerade erörtert präsentiert sich die Gesamtsituation jedoch bei weitem nicht. Das Schlimmste haben wir hinter uns, das trifft hoffentlich auch auf das Wetter zu. Was sich aber deutscher Staatsbürger nennt, ist von Geburt an mit einem Talent zum Nörgeln gesegnet. Dieses bedarf ausgeprägter Pflege und muss ansprechend zelebriert werden, denn wenn wir ehrlich sind empfinden wir beschwingende Satisfaktion bei ebensolcher Tätigkeit. Folglich will ich lamentieren und das in ausgeprägter Art und Weise.

Beginnen werde ich mit "Disturbed". Live können sie den Druck und die so fesselnd kompakte Produktion ihrer Alben nicht transportieren. Das ihr so unverwechselbarer Stil sich aber schon auf drei Studioproduktionen wiederfindet ist beachtlich. Noch beachtlicher ist, dass ein viertes Werk im Juni folgt. Zwei Songs sind schon zum Download auf der ihrer Homepage bzw. bei "myspace" zum Rezipieren freigegeben. "Solider Disturbed Sound", kann ich definitiv attestieren. Mehr aber nicht. Die Revolution bleibt erwartungsgemäß aus. Würden "Disturbed" etwas Neues machen würden sie aber wohl oder übel ihr "St. Anger" erleben und das will nun wirklich keiner. (Es scheint aber mehr Gitarrensoli zu geben. Das finde ich super!!!)

Was auch niemand will ist Madonna. Jeden Song den sie veröffentlicht hat malträtiert in unerträglicher Weise unsere Gehörgänge. Die Kollaboration mit "JT" und "Timbo" war unausweichlich und auch in Zukunft wird sie uns mit ihrem Schauspieltalent beglücken. Unnötig zu erwähnen, dass "4 minutes...." nach 30 Sekunden schon jeglichen Charme verloren hat.

Die Flut von Neo-Soul die im Vereinten Königreich ihr Unwesen treibt findet in "Duffy" den nasalen Höhepunkt. "Mercy" ist ein super Song. Coole Atmosphäre und edler Sound ziehen Alle in einen Bann. Da fällt einem auch erst beim zweiten Hören auf, dass "Duffys" Stimme wahrlich wenig mit Soul zu tun hat. Schrill und mit dezentem Kreischfaktor wird man umgarnt und gibt sich der Soul-Koketterie hin. Die Songs sind Soul, die Stimme nicht, also bitte nicht als solche verkaufen.

Vor einiger Zeit war ich noch auf Grund der letzten "P.O.D." Studioproduktion pikiert, die sich immer tiefer in Nu-Metal Gematsche verlor. Nu-Metal muss tight sein! Ist doch nicht so schwer. Anfang April steht nun ihr neustes Werk im iTunes Regal und zwar mit altem, neuen Gitarristen. Ähnlich wie bei "Disturbed" sind zwei Songs zum Hören bereitgestellt.
Besser als beim Vorgänger ist der entwickelte Sound aufjedenfall, aber so krachen wie bei "Satellite" tut es nicht. Die Verzweiflung steht mir ins Gesicht geschrieben. Manchmal denke ich mir, es wäre gut wenn Bands das Klangbild ihres besten Albums einfach kopieren würden. Nuancen kann man ja ohne Probleme hinzufügen und gestalten. (Wahrlich blöde Idee)

Noch besser sie engagieren mich als Produzent!!! Dann wirds spitze!

Warum die Plattenbosse von Britney Spears den besten Song ihres aktuellen Albums erst als dritte Single veröffentlichen, als der Zug schon längst abgefahren ist, das weiss ich leider auch nicht. Über das so kreativlose Animationsvideo brauchen wir wohl gar nicht erst zu sprechen.

Die Erkenntnis, dass "Moby" kein richtig gutes Album mehr machen wird, ernüchtert Keinen mehr. Das die Kritiker R.E.M wieder mögen interessiert mich nicht. Das Mr. West "Estelle" zu Ruhm verhelfen will ist löblich, aber "American Boy" irrt zwischen genial und belanglos umher. P. Diddy castet zum 70-mal eine Band und so gut die Damen von "Danity Kane" auch singen, tanzen und aussehen mögen, der Erfolg bleibt aus. Schlechte Songs verkaufen sich nicht immer.

Wie JR Rotem auf die Idee kam mit Sean Kingston "Beautiful Girls" zu produzieren ist mir ein Rätsel, aber "Take You There" entschädigt mit den herrlichen Sythie Sounds und dem leicht ironischen Textzeilen. Erfreulich auch das "Surkin" sein Talent nutzt und ein wenig in Richtung 80ziger treibt. Bei Jimi Blue läuft die Popmaschinerie auf Hochtouren, aber eine Bitte hätte ich da doch! Ich wäre positiv überrascht wenn jemand in seinem Management etwas Geld für das Erlernen der englischen Phonetik bereitstellen würde. Ehrlich. Man kann ihn für Alles hassen, auch wenn unsere kapitalistische Gesellschaft einfach so ist, aber bitte bringt ihm bei wie man Englisch spricht!!!

Bei Daughtry klingt jeder Song gleich, aber trotzdem super Album, irgendwie eine Mischung aus Creed und Nickelback.

Samstag, 22. März 2008

Ein Fiasco?



Oh, ich liebe Überschriften mit schlechten Wortspielen und deshalb mag ich auch Hip Hop. Ob Method Man von seinen Drogeneskapaden berichtet, " I got, fat bags of skunk,I got, White Owl blunts, And I'm about to go get lifted, Yes I'm about to go get lifted" oder Lupe Fiasco sich vehement gegen selbige wehrt, da ist für jeden etwas dabei.


Old School Rap hat durchaus das Potential zu nerven. Genauso aber die neueren Kreationen aus den Samplern. Das liegt daran, das Vieles einfach billigt klingt. Kanye West gibt sich alle Mühe soviel Hip Hop Kunst zu betreiben wie möglich. Da lohnt es sich auch schonmal "Stronger" von 10 verschiedenen Leuten mixen zu lassen. Lupe Fiasco hat sich auch auf eine solche Musikproduktion fokussiert und so richtig klappen will das nicht.


Viele Streicher, weniger pompös als bei Mr. West, eine Anti-Gangster Attitüde, eine markante Stimme und ein bißchen Soulflair. Das funktioniert schon relativ gut, aber dann kam "youtube". Also von vorne. Ich habe das Food und Liquor Album gehört. Nicht schlecht. Durchaus abwechslungsreich. Dann suchte ich nach einem Live-Auftritt bei erwähnter Internetplattform. Daydreamin' live on Letterman war dort zu finden und sogar Jill Scott war wirklich live mit dabei.


An dieser Stelle sollte gesagt sein, dass ich nicht der größte Fan von Bühnenauftritten der Rapzunft bin. Die hängen dem Tempo oft hinterher und sabbern sich ins Mikro einen zusammen. Der Beat kommt nicht fett und auch sonst nervt die Entourage die mit Handtüchern um den Hals umherhüpft.


Lupe machts anders. Band, Streicher mit Instrumenten und kein Vinyl. Sehr gut. Blöd nur, dass es live besser ist, als auf der Platte. Die mag ich gar nicht mehr hören. Das Schlagzeug klingt so, wie Käse aus der Dose schmeckt. Jill Scotts Stimmgewalt wurde weggemixt und Herr Fiascos exzessives Armgewedel findet auf der Cd keine Energieumsetzung. Vielleicht wollten sie es einfach ein bißchen zu gut machen. Die Musik ist einfach nicht so fett, umso beeindruckter bin ich von der Tatsache, dass er live ein Wucht ist und das mich vorallem seine Texte mehr interessieren als die Produktion. Das spricht sicherlich für einen Rap/Hip Hop Musiker.


Das bringt mich auf den Gedanken, ob es nicht eine Überlegung wert ist, Lupe Fiasco mit einer um Streicher, Bläser, Filmmusikkomponisten und Dj erweiterter Band ins Studio zu stecken. Ein wenig analoges Aufnehmen einsetzen und die Vocals etwas roher daherkommen lassen. Ich glaube, dass würde mir die Ohren wegpusten. Wenn man sich die Riesengarde an Produzenten leisten kann, wie sie bei Food und Liquor zum Einsatz kam, dann sollte dieses Unterfangen kein Problem darstellen. Mit der Band kann er dann auch gleich seine fantastische Liveperformance bieten. Denken sie darüber nach Herr Fiasco, sonst wirds spätestens beim dritten Album langweilig!

Mittwoch, 19. März 2008

Nachtrag

"I got in my car. I remember I was listening to Jeff Buckley doing Leonard Cohen's (song) Hallelujah and sat there and took a bunch of (prescription drug) Adavan in a Best Buy (store) parking lot."

Pete Wentz

Donnerstag, 13. März 2008

Wer braucht schon Till Brönner

Unentwegt bemühen sich die Medien eine kleine Priese Jazz und Klassik in den Kosmos zu streuen, um das Gewissen des Zuhörers zu entlasten. Den Großteil der Menschen, sofern nicht elitär oder unentwegt durch "die alte Schule" geprägt besinnt sich nämlich auf Rock/Pop und die älteren Mitmenschen auch manchmal auf Schlager. (die Besoffenen auch) Besagtes Gewissen gilt es aber auch zu beruhigen und daher muss man ab und an erzählen was man denn Alles an Klassik und Jazz so rezipiert. Ja, is klar.

Till Brönner ist da ein schönes Beispiel. Der darf mal ein wenig bei Schmidt und Pocher spielen, wird beim "Echo" mit der Kamera eingefangen und besitzt ein ansprechendes Äußeres. Genauso wie Lang Lang, Anna Netrebko und die Verbliebenen die mir erst einfallen wenn ich gerade den Artikel fertig habe.

Irgendwie polarisieren diese Musiker nicht richtig. Außer Frage steht, dass ihr Handwerkszeug exzellent ist. Lang Lang bildet eine fast komische Erscheinung und besitzt herrausragende Technik. In Anna Netrebko hat man eine Opern-Diva gefunden, die nicht 7 Tonnen wiegt und Till Brönner spielt bei jedem Song ein anderes Instrument.

Bekennen kann ich mich jedoch zu keiner Person. Spreche ich davon das ich Brönners Dvd gut finde, dann bekomme ich zu Hören, wie innovativ es doch ist, dass er einen Dj dabei hat. Oh ja. Würde ich Netrebko live sehen, dann würde die Frage gestellt ob die denn live auch so toll singen kann wie im Fernsehen. Argh. Bei Lang Lang wäre wohl auch eher nach Schnelligkeit und nicht nach Interpretation gefragt usw. .

Das nervt. Vermeiden kann man das nicht, aber es nervt. Wenn ihr Oper ansprechend findet, dann beschäftigt euch damit und geht doch nicht in eine Open-Air Veranstaltung mit 50000 anderen Menschen, wo man Alles nur über Lautsprecher hört und ja, Weihnachtsalben sind immer scheisse. Entschuldigung. Die sind scheisse! Egal von wem und es gibt weiss Gott genug von dem Zeug.

Also wer sich für Klavier interessiert kann es ja mal mit Swjatoslaw Richter versuchen und wenn man Trompetenfetischist ist Joo Kraus "Public Jazz Lounge" hören. Opern von von Gluck ohne Netrebko sind auch toll. Viel Spaß!

Mittwoch, 12. März 2008

Das höre ich nicht

Diese Aussage treffe ich dann, wenn weinerliche Stimmen sich mit effektüberladenen Gitarren und einem Schlagzeug welches das Ride-Becken quält vereinen. Eben Coldplay oder so.

Schlecht ist die Musik nicht, aber wollen wir denn wirklich dieses depressive Gejaule? Einige schon, ich nicht. Umso erstaunlicher ist das Ereignis, das sich vor einigen Tagen zutrug. Da macht mich doch jemand auf Jeff Buckley aufmerksam. Kannte ich bis jetzt nicht.

Jeff Buckley ist seiner Zeit wohl um Jahre vorraus gewesen und laut Wikipedia ist er zu allem Überfluss auch noch bei einer Mutprobe ersoffen. (Lasst doch bitte diesen ganzen Quatsch) Aber wahrscheinlich haben sie auf seiner Beerdigung Songs von seinem Album "Grace" gespielt. Dabei ist der Pegel des Tränenmeeres wohl noch einige Meter gestiegen.

Ich muss an dieser Stelle auch bekunden, dass ich ein Experiment vorhabe. Der Versuchsaufbau ist denkbar einfach. Frau, "Hallelujah" von Buckley aus den Lautsprecher und es folgt die Heulerei. Soweit zumindest die Theorie. Das wird bei Gelegenheit getestet.

Warum war er seiner Zeit vorraus? Simpel. Er machte 1994 das, was heute Coldplay und andere kreieren. Kraftvolle Songs, mit viel Melancholie, einer außergewöhnlich klaren Produktion und viel Herzschmerz. Achja und Grunge!

So schön wie Mojo Pin dahingleitet, so derbe rockt "Eternal Life". Das Cover "Hallelujah" drückt auf die Tränendrüse. Die Stimme sehnt sich und erhebt sich in ungeahnte Höhen und die Gitarren klingen nicht nach den matschigen 90zigern. Wirklich ein Hörgenuss, wobei die Erträglichkeit der Musik sich für mich in Grenzen hält. Ehrlich gesagt ertrage ich das Album "Grace" auch nicht länger als 15 Minuten. Es bedarf etwas Frohsinn für meine Seele nach einem Ausflug in die Buckleysche Depression. Dieser Ausflug lohnt aber wirklich.

Morgen gibts was zu Till Brönner, hab schon angefangen!