Dienstag, 22. April 2008

Pfad der Tugend

Da hört man die Stones und was bekommt man gesagt? Das ist doch gar nicht deine Zeit! Schön ist, dass das bei den Stones gar nicht stimmt, denn die Opas werden auch noch im Sarg auf der Bühne stehen.

Kontempliere ich über das Lebenswerk der Stones, komme ich zu der Auffassung, dass es zwei Arten von Stones Hörern gibt. Zur ersten Gattung zählen die treuen, langjährigen und vernarrten Fans, zur zweiten zählen diejenigen, die schon zu Beginn einer Konversation von ihrer monumentalen und unbändigen Liebe, die sie für die Stones empfinden, schwadronieren. Ich jedoch habe weder die Stones gehört noch exzessiv über ihre Vorzüge referiert, womit ich mich selber aus meinem Zwei-Klassen System ausschließe.

Gestern lauschte ich den Klängen von "Sticky Fingers", was mich um eine Erkenntnis bereicherte und überraschender Weise habe ich endlich verstanden warum so viele der Gruppe huldigen. Es ist nicht die verrückte Drogenzeit gewesen, die Tatsache das sie zu einem Phänomen der Musikszene geworden sind oder das Faktum, dass Captain Jack Sparrow Gitarre bei ihnen spielt. Die machen einfach ihr Ding und sind musikalisch fast undefinierbar.

Das ist weder Rock, noch Blues, noch Pop, noch Progressive Extreme Grind Emo Core. Kurz gesagt das ist Alles, was aber nicht bedeutet das es Nichts ist. Es sind einfach die Stones. Da wird zu Beginn mit einem Opener gerockt, dann gibt es ein Slide Guitar Intermezzo und schlussendlich wird wehmütig eine Akustikinstrumentierung in Szene gesetzt. Jedes Stück kommt locker daher. Der Hörer gewinnt den Eindruck von einer entspannten, gleichwohl professionellen Band, die darauf bedacht ist ein Album zu entwickeln, das anderen Künstlern zu Neid gereicht. Ich find es geil!

Letzteren Satz hätte ich vor zwei Tagen noch nicht formuliert. Ich vermute es ist auf dieses unbeschwerte Gefühl zurückzuführen. Man hört nicht das vielleicht 200 Takes nötig waren um die Phrasierungen ausreichend zur Geltung zu bringen. Sogar Country klingt bei diesen Herren irgendwie nicht zu sehr nach dicken Amerikanern mit Texas-Akzent, Hut, Pickup und Shotgun.

Da meine Stones Erfahrungswerte erst am Anfang ihrer Entfaltung stehen weiss ich noch nicht welches schwarze Tal der Kreativlosigkeit sie durchschritten haben mögen, aber es wird mir auch eine Freude sein das herauszufinden. Bis dahin höre ich Sticky Fingers.