Samstag, 15. September 2007

Das ist so schwierig!

Gut, dass ist nichts wirklich neues. Irgendwie ist alles schwierig und regelmäßig einen Blog mit neuen kreativen Geistesergüssen zu füllen sowieso. Noch schwieriger gestaltet sich aber die Aufgabe "Shock Value" von Timbaland zu rezensieren. Was mich nicht von einem Versuch abhält!

Ich bin schon nach einer Sekunde neidisch. Das Klavier mit dem geklatschten Rhythmus, perfekt! Oder der absolut neuartige Beat von "Give It To Me", gepaart mit dem krass überheblichen Rap. Dinge wie, "wenn ich im Club bin heben alle ihre Hände" oder "ich bekomme Millionen für meine Grooves, ihr nur ein paar tausend", sprechen nicht gerade für eine dezente Zurschaustellung seiner Persönlichkeit. Sind wir ehrlich stellt man fest, dass er es sich erlauben kann. Ohne die Neptunes und Timbaland wäre Justin Timberlake so interessant wie ein Stück Leberwurst, bah. Bei Nelly Furtado wäre das sicherlich noch extremer!

Weiter im Album. "The Way I Are", besticht durch einen denkbar geraden Bass, durch die Synthiesounds und die abwechslungsreiche Stimmgestaltung. Selbst "Kill Yourself" ist trotz des Spährencharakters wirklich eingängig, ebenso wie "Bombay", was den Bollywoodcharme transferiert, ohne das ich mir hässliche Leute mit blödem Grinsen vor bunten Kulissen vorstellen muss. Der Song "Apologize" ft. One Republic schickt sich an eine Ballade zu sein und sogar Elton John spielt für Timbaland Klavier.

Also alles toll, ne? Habt ihr "Time" gehört, voll öde der Song. Und dieses Album bringt mich an einen seelischen Abgrund. Es hat einerseits dieses Potential mich mit den nicht gekannten Beats zu ködern und schreckt dann wieder mit den immer sehr spärlich gestalteten Songs ab. Meine Reaktion während der ersten 30 Sekunden ist, boh Innovation, gefolgt von, ahh und nu?

Es mag seiner Philosophie zwar generell entsprechen die Musik pompös klingen zu lassen, aber nicht durch viele Instrumente oder Elemente, sondern eher durch seine stark 80iger geprägte Beat und Soundsprache. Da bleibt nur die Frage, ob das nicht ursprünglich als Rapalbum gedacht war?!

Timbaland rappt auch, aber immer mit elektronisch bearbeiteter Stimme. Zwar zum Teil in dieser Bearbeitung noch nie gehört, aber es ist dadurch auch Meilen von einem Rapalbum entfernt. Ich kann nicht genau definieren was es ist. Irgendwie Pop, irgendwie Rap, irgendwie gut und auch nicht. Es vermag mich zu faszinieren und gleichzeitig zu nerven.

Dem Ganzen fehlt also die klare Linie. Nicht in Punkto Sound, sondern bezogen auf die Konzeption. "Ich lade viele Leute ein und mache viele Songs und dann ist das geil". So in etwa erschließt sich mir dieses Album, was mich nicht zufriedenstellt.

Ach ja, das neue "Ayo Technology" von 50 Cent ist auch von Timbaland produziert. Das reicht denke ich als Aussage. Schrecklich.

7 von 10 Punkten. Talent ist da, aber zu wenig Gespür für das was wirklich zählt, nämlich zu wissen wie man es zu 100% nutzt. Manchmal ist weniger mehr und das entspricht doch auch seiner musikalischen Gestaltung.

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