Samstag, 26. Januar 2008

Und nun?

Das Weihnachtgeschäft war wieder schlecht. Katastrophale Verkaufszahlen bei den CDs und Besserung ist nicht in Sicht.

Um der schwierigen Lage Herr zu werden entlassen die Plattenfirmen jetzt Mitarbeiter. Das ruft dann die großen "Künstler" der Labels auf den Plan, die mit dem Zurückhalten ihrer Alben Protest bekunden. Man könnte auch sagen, "es geht Alles den Bach runter".

Das die Plattenfirmen aussterben kann als bewiesen angesehen werden! So lautet die gängige These. Fraglich ist jedoch was sie ersetzen wird. Eine Garde aus youtube Talenten, die von Marketingagenturen gefördert und Produzenten hochgezüchtet wird? Vielleicht liegt die Zukunft auch in den Händen der Homestudio-Musiker! Denkbar ist auch eine komplette Umstrukturisierung, bzw. Neuorientierung der Labels. Die Flut von Artikeln, die dieser Tage hochgeladen wird, beschäftigt sich mit dieser Thematik. Die Darstellung der Tatsachen steht hierbei im Vordergrund, ein konstruktiver Zukunftausblick bleibt auf der Strecke.

Es werden vergleichbare Aspekte angesprochen wie sie in meiner Aufzählung zu finden sind, eine interessante Lösung oder einen kreativen Vorschlag gibt es bedauerlicherweise aber nicht. Das Ganze weckt Assoziationen zur Autoindustrie. Da schwingen die Politiker reden über Klimaschutz und auf den Automessen werden irgendwelche "Ecofuel" Autos präsentiert. Jeder baut ein Auto, das entweder Hybrid hat, mit Wasserstoff fahren kann oder ein anderes Gas in die Brennräume sprüht. Zukunft hat von diesen Prinzipien wohl Keines. Hybrid ist nur gut um eventuell die Erwärmung für ein paar Jahre zu verschieben und belastet dabei die Umwelt mit den äußerst "umweltfreundlichen" Akkus. Um Wasserstoff zu produzieren müssen wir erst Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen und Gas ist sowieso Blödsinn. "Was nun?", folgt jetzt auf ein "Warum?" und einfach ist die Antwort bei weitem nicht.

Plattenfirmen sind noch keine besonders alte Erfindung und dennoch haben sie ein Talent wichtige Trends zu verschlafen, was womöglich zu ihrer geringen Beliebtheit beiträgt. Nehmen wir das Beispiel "youtube". Als die ersten Musikvideos auf dieser Plattform auftauchten intervenierten sofort Anwälte der Labels und sorgten dafür, dass regelmäßig Videos entfernt wurden. Verständlich ist es schon, denn zwischen Sendern wie Mtv und den Plattenfirmen fließt auch Geld und daher kann es bei kostenloser Veröffentlichung zu Interessenskonflikten kommen. Der Aspekt der kostenlosen Werbung, der immensen Verbreitung und der weltweiten Verfügbarkeit überwiegt aber. Es dauerte in der Folge aber eine Ewigkeit bis die Unternehmen verstanden, dass sie das Phänomen der Streamvideos nicht beenden, sondern sich zu nutze machen mussten bzw. müssen. Im Übrigen frage ich mich wo man Musikvideos sehen kann, wenn nicht im Internet?! Bei allen Musiksendern laufen maximal 30 verschiedene Videos am Tag. Aussuchen kann man sie sich auch nicht, außer man "votet" vielleicht.

Ein noch viel gravierendes Beispiel ist wohl Itunes. Viel mehr kann man gar nicht falsch machen. Steve Jobs war und ist durchaus an einer guten Beziehung mit den Plattenlabels interessiert. Doch seine Vorschläge werden meist zurückgewiesen und so dominiert jetzt Apple das Ganze Internetmusikgeschäft. Die Einnahmen müssen schon jetzt beeindruckend hoch sein und wir stehen bei diesem Prinzip des Musikkaufs auch noch am Anfang. Diese Monopolstellung zu brechen wird für die Labels sehr schwierig. Da hat jemand ganz gehörig gepennt!

Störend finde auch den Aspekt, dass sich darauf beschränkt wird jegliche Downloads zu verbieten und unter Strafe zu stellen. Stattdessen sollten die Anstrengungen lieber auf attraktivere Vertriebswege etc. gelenkt werden. Denn die Zahl der illegalen Downloads wird vielleicht in Deutschland zurückgehen, aber auch die Lust etwas zu kaufen. Ich persönlich kann mit Cds nichts mehr anfangen. Die kommen direkt in den Rechner, somit auf die Festplatte und auf den tragbaren Mp3Player. Hüllen und Booklets verstauben im Regal. Eine Suchanfrage bei google.de bringt mir mehr Ertrag als der Text des Booklets.

Die Welt wird unbestrittenerweise zunehmend technologisiert und die Menschen werden in Indien und China oder auch Südamerika und Afrika in Zukunft mehr Computer besitzen und Musik runterladen. Dort wird man "illegale" Downloads nicht einfach verbieten können, bzw. zu einer Verurteilung der Straftäter würde es wahrscheinlich kaum kommen.

Wo sind denn Flatrateangebote, wann kann ich endlich billig Serien und Filme laden? Schneller! Die Siebziger sind vorbei! Aufwachen! Jetzt! Sonst ist der Zug bald wirklich für die Plattenlabels abgefahren und eigentlich wollen wir sie auch lieb haben, aber dafür müssen sie erst etwas für uns tun! Eure Chance!

Ich bin im übrigen der Ansicht, dass Plattenfirmen nicht einfach aussterben, so wie Viele glauben. Die Konkurrenz für sie wird größer, weil nicht jeder Musiker auf sie angewiesen sein wird. Ihre Macht müssen sie dadurch erhalten, dass sie die Trends, die wöchentlich entstehen, aufgreifen und zu ihren Gunsten nutzen! Das kann doch wirklich nicht so schwer sein.

Keine Kommentare: