"Denn wenn jemand blindlings Farben aufträgt, und seien sie noch so schön, dann vermag er nicht ebenso zu gefallen, wie wenn er eine klare Umrisszeichnung herstellt." (aus Aristoteles, Poetik, übersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann)Geradezu proletarisch. So spricht der elitäre Tonkünstler. Abwertend ist die Tendenz seiner Aussage, mit dem Hang zu Überschätzung, gepaart mit völligem Unverständnis für andere Musikrichtungen. Desillusioniert wandern manche durchs Leben. Behaftet mit den stärksten, durchzogen von übelsten, geprägt durch die absurdesten Vorurteile. Sie richten sich gegen Musik welche ihnen fremd, unzugänglich oder einfach unsympathisch ist. Freisprechen sollte sich von dieser Charaktereigenschaft keiner. Erinnern würde es lediglich an selbstbezogenen Chauvinismus.
Doch muss grenzenloser Narzissmus hinsichtlich der präferierten Musik denn sein? Wie kann man sich nur durch eine Beschränkung definieren oder inspirieren. Die Inspiration gelingt doch immer durch die Vielfalt, nicht Einfalt. Sicherlich sind Mozarts Werke in ihrer harmonischen Beschaffenheit von außerordentlicher Konzentration und fast poesie-ähnlicher Schönheit. Sicherlich hat Schönberg mit den 12 Tönen jongliert wie ein grandioser Artist. Sicherlich repetiert Popmusik oft in der 2-5-1 Verbindung. Sicherlich ist Hip Hop durchsetzt mit Vulgarismen und nicht Latinismen. Sicherlich ist die Musik, die aus 10101010101 geschaffen wurde, oft genauso banal. Fatal ist es aber sicherlich auch den alten Zeiten nachzutrauern.
Wenn Frauen mit Nachdruck manifestieren, dass Musikstile wie Techno und Metal niemals den Weg in ihr Cd-Regal finden, ist es für mich nachvollziehbar. Auch die Dauerberieselung mit Klängen wie "Summer of 69" jeden Abend in Kneipen und Diskos führt zu kaum einer Regung meines Gemüts. (Da bedarf es schon einiger LaFee oder Jimi Blue Interpretationen.) Was mir unverständlich bleibt ist der Tunnelblick einiger Klassikfans und ihre Verachtung gegenüber dem modernen Popstar. Mozart war kein Stück besser.
Einmalig ist er zweifelsohne. Er trieb die Musik weiter. Weg von barocken 8teln und 16teln. Vom ätzenden Wunderkindmenuett bis zur "Königin der Nacht". Die reinste Form eines Wunders, eines Talents, ein geradezu magischer Moment in der Geschichte. Mein persönliche Meinung divergiert zu dieser Aussage, bezüglich dieses Artikels will ich aber weitesgehend Objektivität walten lassen.
Das Mozart ein, wie zuvor geäußert Wunderkind war, lässt sich nicht bestreiten. Verdient sein Lebenswerk aber die Aufmerksamkeit, die es genießt? Das Angebot an Musik zur damaligen Zeit war wohl eher dürftig. Die Fülle an Musiktiteln, welche der iTunes Store heutzutage offeriert ist immens. Die Vielzahl an Genres überwältigend. Der Ruhm kurzweilig. Kein Wunder das vieles nicht mehr als Glanzpunkt der Geschichte gesehen wird. Es hat schon an Bedeutung verloren, bevor es überhaupt gehört wurde.
Die Wiener wollen immer etwas Neues, wenn man das nicht liefert, haben sie den Künstler/Musiker nach 2 Wochen vergessen. ( Diese Aussage stammt, wenn ich mich recht entsinne, aus einem Brief Mozarts an seinen Vater. Sie ist von mir im Wortlaut abgeändert, da ich das Original nicht vorliegen habe.) Die klare Ähnlichkeit vom damaligen Popstar-Dasein ist also nahezu äquivalent zu unser heutigen Auffassung und dem damit verbundenen Umgang.
Es ist so wie Aristoteles es schreibt. Seiner Betrachtungsweise nach wäre Mozart der geniale Zeichner und Künstler, der sein Handwerk bis ins letzte technische Detail beherrscht. Jennifer Lopez wohl eher die, die durch "Farben" fasziniert. Deren Musik leichter zu rezipieren ist oder anders formuliert, mehr unserem Zeitgeist entspricht.
Der Anspruch und die Vorraussetzungen haben sich verschoben, aber die Mischung aus abgöttischer Verehrung und gnadenlosem Absturz eines Musikers sind geblieben. Kritiker werden an dieser Stelle einhaken und behaupten, dass dem heutigen Popstar eine wichtige Eigenschaft fehlt. Musikalisches Verständnis oder überhaupt musikalische und kreative Arbeit. Komplett abstreiten kann ich diesen Umstand nicht, mich dieser These anschließen ebenso wenig.
Die schiere Anzahl von gequirltem Mist lässt uns manchmal vergessen, dass die Produzenten der Stars, künstlerisch gebildete Multiinstrumentalisten sind. Die Stars selber müssen Singen, Tanzen, gut aussehen, enorm belastbar sein und vieles mehr. Der Gedanke ein Popstar zu sein macht mir zurweilen Angst. Die Vorstellung ein Leben ohne Privatsphäre zu führen, der Wunsch von Fans nach Unfehlbarkeit, der Druck. Fürchterlich. Das sollte man nicht unterschätzen.
Resümieren lässt sich also, dass Mozart ein Popstar war, dass er verdammt viel Talent hatte, dass die Grundzüge des Popstartums gleich geblieben sind und das das "Neue Jahr" wie immer eher dürftig begonnen hat.
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