Sonntag, 25. November 2007

Melodielos, strukturlos, aber auch seelenlos?

Es gibt Tage wie den letzten Sonntag. Es fehlt Motivation, Struktur und Ambition. Man bewegt sich weder vor noch zurück. Dinge die begonnen werden führen zu keinerlei zufriedenstellendem Ergebnis oder gar Fortschritt. Zusätzlich plagt der Gedanke an die herreinbrechende Woche und das schlechte Gewissen, weil der Geist wieder so produktiv war, wie ein Hamster im Winterschlaf.

Man klickt sich durch die immergleichen Websites, die am Sonntag nur alle 5 Stunden mit neuen Information aufwarten. Streckt alle Viere auf dem Sofa aus und stellt mit einem gewissen Maß der Ernüchterung fest, dass sich das Fernsehprogramm wieder mit allerlei Blockbustern rühmt, die man schon vor 7 Jahren gesehen hat.

Vorgenommen hat sich der Blogger einen Artikel über David Guetta zu schreiben. Bei Regenschauern, Kaffee und Müdigkeit kann er sich jedoch nicht dazu bewegen elektronische Musik zu hören. Diese würde ihn mit ihrer hohen BMP Zahl den letzten Nerv rauben. Was er sucht ist Entspannung. Führen soll sie ihn zur inneren Ausgeglichenheit. Jetzt fehlt nur noch Ayurveda.

Radiohead also. Kid A. Den "right place" such ich auch und bei Radiohead ist er nicht zu finden.

Die Band ist ein Geheimnis. Musikalisch und visuell assoziiert man bei der Frage nach der Gruppe erstmal wenig bis gar nichts. Ihre Alben haben bei Kritikern immer die maximale Punktzahl, ihre Fans sind treu und unauffällig. Der Sound brennt sich sofort im Gehirn ein, die Songs besitzen eminenten Wiedererkennungwert und Kultstatus haben die Engländer sowieso.

Mag ich ihre Musik? Nein. Ist das schlimm? Nein. Tut das der Qualität der Musik einen Abbruch? Nein. Was also? Ich versuche mit dieser Kritik irgendwie die Mitte zu treffen. Überbewertet ist diese Band sicherlich. Nicht jedes Album kann die volle Punktzahl erreichen, auch wenn das viele so sehen mögen.

Kid A ist schon komisch. Bei "Everything in its Right Place" wird die Stimme des Sängers elektronisch in alle Richtungen gezerrt, "Idioteque" stagniert auf einem einzigen Beat und "Morning Bell" löst die dadurch kreierte Anspannung wieder. Abwechslungreich geht es zu. Langweilig wird es nicht. Die Qualität ist zu spüren. Die Produktion ist auf sehr hohem Niveau, nie umgarnt der Klang den Hörer zu stark, keinerlei quälendes Unbehagen steigt empor, ausgewogen bis ins letzte Details. Nigel Godrich sei Dank.

Wohl wissend, dass ich die Musik nicht leiden mag, verfasse ich diese Zeilen und bin erstaunt. "Optimistic" geht mir völlig auf die Nerven, das Gejaule ebenso und dennoch fasziniert mich dieses melodielose Gebilde, welches strukturlos scheint, sich aber durch ein durchdachtes Arrangement auszeichnet.

Seelenlos ist diese Musik sicherlich auch nicht. Da steckt mehr Seele als bei so manchem Blues, nur leider kein Herzschmerz der mich anspricht.

8 von 10 Punkten. Jetzt kann ich endlich aufhören diesen Klängen zu lauschen und mich wieder Talib Kweli widmen.

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