Folgendes: Gestern segnete uns Mtv wieder mit Emas. Angekündigt durch den bei Großevents obligatorischen Countdown oben rechts, direkt unter einem modifizierten Senderlogo, nahm das Unheil wieder seinen Lauf.Ich will Mtv für ihre schlechten Shows, das Fehlen von Musikvideos und die Beschränkung auf 20 Songs bei der täglichen Clipschleife gar nicht so sehr kritisieren. Blöd isses schon, aber so kommt nunmal am meisten Geld rein. Kapitalismus eben. Was mich jedoch auf die Palme bringt sind diese Awardshows. Solch ein plumpe Dekadenz, gepaart mit einem pseudo-kulturellen Musikanspruch ist denkbar widerwärtig.
Ich Frage mich ernsthaft ob sie sich gar keine Gedanken zur Show machen. Meiner Auffassung nach sollten diejenigen die an diesem Projekt beteiligt sind zumindest versuchen das Bestmögliche zu erreichen. Heisst konkret, wen lade ich ein der eine geile Show liefern kann. Wie schaffe ich es der Veranstaltung Charakter zu geben, wie transferiere ich den Charme des Landes (es findet nunmal jedes Jahr woanders in Europa statt), wer hat einen Preis wirklich verdient..... . Das dabei nicht alles perfekt ist, damit muss man leben. Nicht Eines dieser Dinge konnte jedoch ansatzweise erfüllt werden.
Wie kann man nur so daneben liegen? Avril Lavigne ist die "Abräumerin des Abends". Die animiert auf der Bühne eher zum schlafen, als zum rocken. Bei dieser Aussage erlaube ich auch keine Wiederworte, dass entspricht einfach der Wahrheit. Ihr Klamottenstil ist sehr dürftig und ihre Songs sind schon jetzt Klassiker. Die hat sie auch alle selber geschrieben, getrieben durch ihre mitreißende Dynamik.
Dann mal zu den Foo Fighters. Sind wir ehrlich werden wir uns alle eingestehen müssen das auch diese Band meistens nur dürftige Mucke verzapft. Der ein oder andere Lichtblick ist dabei, was aber meinen grundsätzlichen Tenor nicht ändern wird. Und die Babyshambles sind zwar halbwegs drogenfrei, aber die hat man nicht wegen ihrer Musik eingeladen, sondern wegen dem Pete. Was da Live gespielt wurde hat wahrscheinlich kaum jemand vorher schon gehört. Ist nicht schlimm, war nämlich nicht so prickelnd. Mein Favorit des Abends ist Stimmgewalt Winehouse. Die entweder zugedröhnt oder völlig eingeschüchtert, jeden ihrer Einsätze verpasste, das Potential ihrer Stimme nicht vermitteln konnte und dauernd nach unten schaute, um womöglich den Text abzulesen. Das "Gibberish" was da aus ihrem Mund dann entgegen des Mikros schallte ist traurig. Echt traurig. In diesem Zusammenhang bietet bild.de auch wieder Volksverdummung. Dort heisst es in einem Video "[...] nach anfänglicher Sprachlosigkeit traf sie jeden Ton [...]". Bitter. Bitter waren übrigens auch die beiden Tänzern, die durch beeindruckend artistische Verrenkungen vom Elend ablenken sollten.
Mehr als Snoop Dog in Lederhosen und ein paar harte Rocker an der Theke, mit Bier in der Hand, fällt den "executive producern" bei Mtv scheinbar nicht ein, aber dafür kann man ja bei TIIARLLL immer schön "voten".
Ach ja und nun zurück zu meiner Überschrift, die ich schon wieder revidieren muss. Ich war durch die präsentierte amerikanisch bzw. englisch-sprachige Musik zunächst erfreut, da sie schlecht war und dem Großteil der deutschen damit ins nichts nachstand. Ich brauchte mich also für einen kurzen Moment gar nicht zu schämen, aber dann hat schon wieder Bushido gewonnen. Er ist der beste deutsche Act. Die Nominierten sind wohl auch diesselben wie letztes Jahr gewesen, also braucht man sich nicht zu wundern. Die Röte im Gesicht ist zurück. Toll, danke Mtv!
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