In einem melodielosen Klanggerüst aus Beats und Fills schwebe ich dahin. Wünsche mir in Wien Kaffee zu trinken und philosophische Texte zu schreiben, auch wenn mir eigentlich nichts ferner liegt als letzteres. Was mich dazu bewegt? Kruder und Dorfmeister. Klingt irgendwie nicht nach Musik. Muss es auch nicht unbedingt. Die meisten überragenden Interpreten tragen seltsame Namen. Dies vermag sich aber auch ins Gegenteil um zukehren, siehe Rihanna. (nur eine kleine zynische Bemerkung nebenbei)Zurück nach Wien, ins Mekka der Tanzwütigen. Normalerweise würde man wahrscheinlich nur Sachertorte und Mozart(kugeln) dort suchen, aber weit gefehlt kann ich da nur entgegen. Das ich dort noch nie war muss ich zwar neidvoll zugeben, aber dennoch bietet das Internet bekannterweise ein beeindruckendes Spektrum an manchmal auch wahren Informationen preis. An dieser Fülle von Gedanken labte ich mich eines verregneten Nachmittags im Zuge einer akuten Gewitterdepression und was ich dann entdeckte war besser als jedes pharmazeutische Produkt des Seelendoktors.
Wiederrum muss ich etwas zugeben, nämlich dass ich nicht ganz von selbst auf die Djs Kruder und Dorfmeister gestoßen bin. Zu verdanken hab ich dies meinem ehemaligen Chef des Zivildienstes, welcher geprägt durch viele seiner Cds (tausend aufwärts, vorsichtig geschätzt), die ein und oder andere Musikempfehlung aussprach. Dann brauchte ich ja nur noch Google.
Zurück zur eigentlichen Musik. Was ist Kruder und Dorfmeister denn überhaupt, fragte ich mich selbst. Oftmals wurde ich schon von hochgelobten Musikern enttäuscht, was mich also nicht überrascht hätte wenn eben dieser Fall eingetreten wäre. Weit gefehlt. Exzellente, zumeist elektronische Musik mit einer gehörigen Priese Groove.
The K&D Sessions ist ein derart in sich klanglich geschlossenes Album wie kaum ein Zweites. Jeder Track ist komplett anders von seiner ursprünglichen Idee und dennoch verbindet alle eine magische Kohärenz. Man darf sich von der Welt abkapseln. Im Auto oder zu Hause ist ganz egal, jedoch sollte es relativ ruhig sein, damit man die Vielschichtigkeit dieser Musik zu erkennen vermag und sich ihrer annehmen kann. Sie entspannt bei jedem Atemzug. Weckt Assoziationen und macht Lust auf mehr, sowohl im musikalischen als auch im emotionalen Sinne.
Trans Fatty Acid wartet mit einer trocken aber wunderbar lasziven vokalen, femininen Darbietung auf, die direkt ins Blut geht. Rollin On Chrome hat treibenden Charakter, wirkt aber nie unnötig hektisch. Million Town ist bescheiden und verbindet atonales mit tonalen. Schebend entfaltet sich alles, wenig Melodie, trotzdem viel Substanz.
Es gibt wohl nichts vergleichbar gutes auf diesem Gebiet, aber gesagt werden muss auch, dass nicht jeder sofort Zugang hierzu finden kann und wird. Einen Versuch ist es aber auf jeden Fall wert. Ich war und bin begeistert, auch wenn ich bis vor einem halben Jahr diese Art der Musik nicht zu meinem Geschmack oder Repertoire zählen konnte.
10 von 10 Punkten. Überragend.
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