
Diesen Spruch beherzigen viele Gitarristen und man muss ehrlicherweise sagen das dies oft ziemlich daneben geht. Musik begeistert mich und das mit zunehmendem Alter auch immer mehr. Vorallem aber gute Musik. Ich habe nichts gegen Pop, solange er qualitativ hochwertig ist, auch finde ich nicht kategorisch jede Art der klassischen Musik gut nur weil einige 60jährige dieser Auffassung sind. Mein Spektrum reicht von Oper bis Death Metal und am liebsten bewege ich mich mittendrin, aber auch die Extreme sind reizvoll und hörenswert. (Mein nächste Cd-Kritik wird übrigens ein Klassikalbum eines russischen Komponisten sein, eine der besten Cds die ich besitze, aber dazu mehr in den nächsten Tagen.) Ich will nun zum ursprünglichen Thema zurückkehren und wieder auf Gitarristen schimpfen. Da ich selber dieser Gattung angehöre steht mir dieses zu. Ich schimpfe auch oft über mich selbst.
Mein Frage lautet: Warum gibt es so viele gute Gitarristen und nur so wenige die es fertig bringen ein ansprechendes Instrumentalalbum zu produzieren. Wovon ich berichten möchte ist mein Unverständnis gegenüber denen die tierische Licks mit atemberaubender Technik und unterhaltendem Posing verbinden, aber ein billig klingendes Album nach dem nächsten aneinanderreihen. Ich rede nicht von Steve Vai, der immerwieder durch völlig neuartige Ideen besticht oder von Joe Satriani, der schon eine Ikone der Musikszene ist, sondern von unerträglichen Shreddern, verdammt talentierten Leuten wie Steve Morse oder Freaks wie Yngwie Malmsteen, die einfach unfähig sind ein geiles Album zu produzieren. Warum? Das kann doch nicht so schwer sein.
Es ist auch nicht so, dass sie keine guten Songs schreiben. Ihre Ideen sind gut und sie sind fähig einen eigenen Stil zu entwickeln. Dies geschieht oft durch Customshop Gitarren, massig Effekte und viele laute Verstärker. Bei all dieser Masse von tollen Dingen sollte doch was gutes dabei rumkommen?!
Nehmen wir Yngwie Malmsteen als Beispiel. Geht live ab wie Hölle, aber seine Alben klingen wie mit einem Aldimikrofon und 4-Spurgerät um Keller aufgenommen. Beinahe unerträglich und diese Kritik ist frei von Verachtung für Neo-classical Rock.
Ein weiteres Beispiel ist Steve Morse. Spielt inzwischen bei Deep Purple, früher Solo und bei den Dixie Dregs. Vielseitig wie kein anderer. Von Country bis zum brutalen Solo kann er alles. Seine aufgenommene Musik zeugt zwar von großer Kreativität lässt aber wiederum jegliches Gespür für eine gute Produktion vermissen. Diesem Umstand verdankt er auch seine eher geringe Popularität im Vergleich zu z.B. Satriani.
Noch mehr Gitarristen gefällig? Kein Problem.
Eric Johnson hört zwar schon eine Woche bevor die Batterie seines Effektgeräts leer ist wann er sie austauschen muss, ist dafür aber eine absolute Schnarchnase auf der Bühne. Gefolgt von Paul Gilbert der so schnell spielen kann das man nur noch Brei hört sich aber nicht bewusst ist wie lächerlich langweilig sein Riffs auf den Alben sind. Die klingen, auch wenn die Produktion selber in Ordnung ist, wirklich nach einem mäßig talentierten Gitarrist der hofft Rockstar zu werden.
Von den norwegischen Shreddern deren Namen ich nicht aussprechen oder schreiben kann brauche ich wohl gar nicht sprechen. Ihr nervt! Technik, ja bitte! Unendliches Gedudel, nein danke!
Auch in diesem Post soll aber auch etwas positives Gedankengut vermittelt werden. So bin ich zum Beispiel der Meinung das Andy Timmons inzwischen einen ganz guten Job macht. Klassisch produzierte Alben treffen rockige Virtuosität auf der Gitarre. Abgerundet wird das Ganze noch durch einen, so scheint er mir, entspannten Charakter und prima Gigs.
Eine Frage hab ich noch zum Schluss. Was ist eigentlich bei Jeff Beck los? Vom Blues/Rock zu krassen mit Drum'n Bass unterlegten Power Riffs. Geht übrigens tierisch ab. Trotzdem komisch.
7 von 10 Punkten für Andy Timmons letztes Werk. Ist eigentlich nur Musik für Gitarristen und kein Meilenstein der Musikgeschichte, aber egal!
Musiker: Andy Timmons
Album: Resolution
Links: www.andytimmons.com
2 Kommentare:
Klar ist Satriani populärer als Morse. Lady Gaga und Pink sind ja auch populärer als Gov't Mule oder Jimmy Barnes.
Satriani kann geil Gitarre spielen, aber gegen Morse ist er eher ein Effekthascher. Die Alben von Steve Morse sind so ziemlich das Wertvollste, was die Rockgitarrenwelt zu bieten hat. Kritiken wie diese hier zeugen von mangelndem Auffassungsvermögen. Da nützt es auch nichts, wenn man selber Gitarrist ist (wie ich übrigens auch...)
... und übrigens: das Lob in Richtung Andy Timmons teile ich voll und ganz. Vor allem merkt man, das er sich gegenüber seinen Alben aus den 90er Jahren weiterentwickelt hat. Er spielte zwar auch damals schon fantastisch und hatte einen sehr geilen Ton, aber vor allem seine Kompositionen scheinen heute ausgereifter zu sein. Bei Morse würde ich das so nicht sagen. Aber Morse hatte eben auch in jungen Jahren schon ein Niveau beim Komponieren erreicht, gegen das wenig bis nichts zu sagen war. Aber auch er hat sich entwickelt. Neben seiner unglaublichen Technik, die allerdings in den letzten Jahren manchmal an Sauberkeit nachzulassen scheint, meine ich hier vor allem sein Vibrato. Sein früher fast immer schnelles Vibrato hört man heute seltener, dafür hat er ein geradezu wohltemperiertes Vibrato in gehaltenen Tönen entwickelt, das zugleich so ausgewogen und doch unregelmäßig klingt, das es einem die Sprache verschlägt. Diese Ausdruckskraft gepaart mit seinem unverwechselbar angenehmen Sound auch bei stark verzerrten Sounds: einen geileren Gitarrenton dürfte es kaum geben!
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